Eine Rauchwolke steigt über Rubischne auf. | AFP

Krieg gegen die Ukraine Kämpfe in Luhansk, Sorgen um Zivilisten in Mariupol

Stand: 18.04.2022 19:32 Uhr

Russland konzentriert seine Angriffe offenbar vor allem auf die Region Luhansk. In Mariupol forderten die Behörden erneut einen Fluchtweg für Zivilisten. In anderen Teilen der Ukraine verstärkte Moskau seine Luftangriffe.

Die russische Armee hat nach ukrainischen Angaben einen Großangriff in der ostukrainischen Region Luhansk gestartet. In der Kleinstadt Kreminna sei die russische Armee in der Nacht "mit einer riesigen Menge an Kriegsmaterial einmarschiert", teilte der ukrainische Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, auf Facebook mit. "Unsere Verteidiger haben sich auf neue Positionen zurückgezogen", fügte er hinzu. Die Kleinstadt Kreminna mit 18.000 Einwohnern liegt rund 50 Kilometer nordöstlich der Großstadt Kramatorsk und in der Nähe der derzeit heftig umkämpften Stadt Rubischne.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Heftige Explosionen in Rubischne

Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von heftigen Explosionen in Rubischne, einige Detonationen hätten Brände ausgelöst. Über der Stadt stiegen riesige Rauchwolken auf. Ukrainische Soldaten beschossen russische Stellungen in Rubischne vom etwa drei Kilometer entfernten Ort Nowodruschesk aus mit Artillerie und Mörsergranaten. Der Chef der pro-russischen Separatisten in Luhansk, Lenoid Pasetschnik, hatte in der vergangenen Woche erklärt, die ukrainische Armee kontrolliere weiterhin "einen Teil" von Rubischne.

Sobald seine Kämpfer das gesamte Gebiet "befreit" hätten, werde eine Entscheidung getroffen, "um unseren Brüdern in Donezk und möglicherweise Russland Hilfe zu leisten", erklärte Pasetschnik. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte Russland am Sonntagabend vorgeworfen, die gesamte Donbass-Region "buchstäblich erledigen und zerstören" zu wollen.

Weiter Sorge um Zivilisten in Mariupol

Für das von der russischen Armee eingeschlossene Mariupol forderte die Ukraine Russland auf, eine sichere Evakuierung von Zivilisten aus der Hafenstadt zuzulassen. Dies gelte vor allem für das Stahlwerk Asowstahl. "Gesondert fordern wir dringend einen humanitären Korridor vom Territorium des Kombinats Asowstahl für Frauen, Kinder und andere Zivilpersonen", schrieb Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk auf Russisch auf ihrem Telegram-Kanal. Sie drohte den Verantwortlichen bei einer Ablehnung mit einer Verurteilung wegen Kriegsverbrechen.

"Sie glauben den Russen nicht"

Tags zuvor hatten die russischen Streitkräfte nach eigenen Angaben für mehrere Stunden das Feuer um das Stahlwerk eingestellt und den verbliebenen Verteidigern angeboten, sich zu ergeben. Laut dem Polizeichef von Mariupol, Mychajlo Werschynin, befindet sich in den Bunkern der Fabrik weiterhin "eine große Zahl von Zivilisten". "Sie glauben den Russen nicht", sagte Werschynin.

Die südostukrainische Hafenstadt Mariupol wurde nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs am 1. März komplett von russischen Truppen eingeschlossen. Ukrainische Einheiten sollen nur noch Teile der Stadt um das Gelände des Stahlwerks Asowstahl kontrollieren. Kiew ist es nicht gelungen, Zivilisten aus Mariupol organisiert mit Bussen in sichere Gebiete zu bringen. In der stark zerstörten Stadt sollen noch rund 100.000 Menschen ausharren. In einem Brief wandte sich der Kommandeur der verbliebenen Marineinfanteristen, Serhij Wolyna, an Papst Franziskus mit der Bitte, bei der Evakuierung der verbliebenen Zivilisten zu helfen.

Mehr als 100 Ziele angegriffen?

Unterdessen verstärkte Russland seine Luftangriffe und beschoss nach eigenen Angaben allein in der Nacht mehr als 100 Ziele. Beim Raketenbeschuss der westukrainischen Stadt Lwiw kamen nach Angaben der Behörden mindestens sechs Menschen ums Leben. Tote wurden auch aus anderen Landesteilen gemeldet. Unter den Verletzten in Lwiw ist nach Angaben des Bürgermeisters auch ein Kind. Über die Anzahl der Raketen gibt es unterschiedliche Angaben, es wird von vier oder fünf Einschlägen berichtet. Es sollen Militärobjekte getroffen worden sein, aber auch zivile Objekte wie ein Reifenservice und ein Hotel.

Lwiw war in der Vergangenheit schon Ziel von Luftangriffen. In der Nähe der Stadt gibt es mehrere Militärobjekte und sie gilt als wichtiger Umschlagpunkt für Waffenlieferungen aus dem Westen. So erklärte das russische Verteidigungsministerium laut der Nachrichtenagentur Tass, bei den neuen Luftangriffen sei ein Logistikzentrum der ukrainischen Armee nahe Lwiw getroffen worden. Eine große Anzahl an im Ausland gefertigte Waffen seien dabei zerstört worden. Auch in Dnipropetrowsk sei eine militärische Einrichtung zerstört worden. Laut Medienberichten wurden in der Region Dnipropetrowsk zwei Menschen verletzt.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtete zudem von mehreren Explosionen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Über Opfer und Schäden gibt es bislang keine Informationen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. April 2022 um 18:20 Uhr.