Kernkraftwerk Saporischschja | REUTERS

Bericht zu AKW Saporischschja IAEA fordert Schutzzone um Atomkraftwerk

Stand: 06.09.2022 18:46 Uhr

Die Internationale Atomenergieagentur hält die Lage rund um das Atomkraftwerk Saporischschja für extrem besorgniserregend. IAEA-Chef Grossi appelliert an die Ukraine und Russland, eine nukleare Sicherheitszone zu schaffen.

Der Chef der Internationalen Atomenergieagentur IAEA, Rafael Grossi, hat sich nach der Mission zum ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja tief besorgt gezeigt und eine Schutzzone um das AKW gefordert. Die Situation sei "unhaltbar", heißt es im Untersuchungsbericht.

An eine Schutzzone müssten sich alle am Konflikt beteiligten Seiten halten, um schwerere Schäden durch Kämpfe und den Austritt von Radioaktivität zu verhindern. Die IAEA stehe jederzeit bereit, um die Zone einzurichten.

Das Kraftwerk wird seit März von russischen Truppen besetzt gehalten, die ukrainischen Mitarbeiter betreiben die Anlage aber weiter.

Panzer in Turbinenhallen

Bei ihrer Untersuchung hatten die IAEA-Experten Schäden nahe der sechs Reaktoren und den Lagerstätten von nuklearem Abfall festgestellt. Zwar sei bereits mit Reparaturen begonnen worden, sie seien aber noch nicht abgeschlossen. In Turbinenhallen des AKW sind laut IAEA russische Panzerfahrzeuge abgestellt. Grossi forderte den Abzug der Geräte, da sie die Sicherheit der Anlage gefährden könnten.

Die Lage der ukrainischen Mitarbeiter des AKW, die seit Monaten unter russischer Besatzung ihren Dienst verrichten, sei ebenfalls unhaltbar, hieß es weiter. Es gebe zu wenig Personal, und die verbliebenen Experten seien so hohem Stress ausgesetzt, dass Bedienungsfehler passieren könnten. "Das ist nicht nachhaltig und könnte zunehmend zu menschlichem Versagen führen mit Auswirkungen für die nukleare Sicherheit", heißt es in dem Bericht.

Nach langen Verhandlungen war eine IAEA-Delegation in der vergangenen Woche zu dem russisch besetzten Kraftwerk gereist. Zwei Experten sollen nun permanent vor Ort bleiben.