Mateusz Morawiecki und Ursula von der Leyen | dpa

Internationale Geberkonferenz Sechs Milliarden Euro für die Ukraine

Stand: 05.05.2022 16:34 Uhr

Bei einer internationalen Geberkonferenz für die Ukraine sind mehr als sechs Milliarden Euro zusammengekommen. Präsident Selenskyj forderte eine moderne Version des Marshall-Plans für den Wiederaufbau seines Landes.

Die internationale Geberkonferenz für die Ukraine in Warschau hat Zusagen in Milliardenhöhe eingebracht. Insgesamt seien mehr als 6,5 Milliarden Dollar zusammengekommen, sagte Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki in seiner Abschlussrede. Das sind umgerechnet mehr als 6,17 Milliarden Euro. "Der heutige Tag hat gezeigt, dass unsere Unterstützung für die Ukraine weitergeht und es keinen Egoismus unter uns gibt", so Morawiecki.

Die von Polen und Schweden gemeinsam organisierte Geberkonferenz sollte Geld für humanitäre Hilfe für die von Russland angegriffene Ukraine sammeln. Partner der Konferenz sind die Präsidenten der Europäischen Kommission und des Europäischen Rates. Auch die Vereinten Nationen beteiligen sich.

EU kündigt weitere Hilfen an

Die Europäische Union kündigte ein neues Hilfspaket im Umfang von 200 Millionen Euro an. Es soll den mehreren Millionen vertriebenen Menschen in dem Land zugute kommen. "Wir sind hier mit dem klaren Ziel zusammengekommen, den mutigen Menschen in der Ukraine zu helfen", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Das Volk bekämpfe einen Aggressor und trete für seine Freiheit ein.

Von der Leyen sagte, die EU habe seit Beginn der russischen Invasion insgesamt vier Milliarden Euro für die Ukraine mobilisiert. Sie werde später auch den Wiederaufbau der Ukraine mitfinanzieren. Die Unterstützung werde auch den Weg des Landes "in die Europäische Union ebnen", versprach sie.

Weitere 265 Millionen Euro aus Deutschland

Deutschland unterstützt die Ukraine mit weiteren 265 Millionen Euro. Das kündigte Kanzler Olaf Scholz in einer Videobotschaft für die Geberkonferenz an. 140 Millionen Euro Entwicklungshilfe und 125 Millionen Euro an humanitärer Hilfe würden als Beitrag zur Stärkung des ukrainischen Widerstands gegen den russischen Angriff zur Verfügung gestellt.

Scholz verwies darauf, dass Deutschland der Ukraine mittlerweile 300 Millionen Euro an ungebundenen Krediten eingeräumt habe. Erst vor einem Monat habe man zudem 495 Millionen Euro an Hilfen geleistet - sowie weitere 430 Millionen, um die weltweiten Probleme der Lebensmittelversorgung als Folge des Krieges zu bekämpfen.

Selenskyj fordert neuen Marshall-Plan

Nach Angaben der EU-Kommission haben seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine bereits an die acht Millionen Menschen ihre Heimatorte verlassen, um an anderen Orten Schutz zu suchen. Hinzu kommen mehr als 5,3 Millionen Menschen, die die Ukraine verlassen haben, um in der EU und den Nachbarländern Zuflucht zu finden.

Nach Ansicht von Präsident Wolodymyr Selenskyj braucht die Ukraine eine moderne Version des Marshall-Plans. Für die Rückkehr zu einem sicheren Leben werde sein Land Geld, Technologie, Fachleute und Wachstumsperspektiven benötigen, sagte Selenskyj per Videoschalte vor den Teilnehmern der Konferenz. "Das wird eine Investition in die Stabilität von ganz Mittel- und Osteuropa sein."

UN: 12 Millionen Menschen brauchen Hilfe

Morawiecki sagte, die Ukraine benötige 12.000 Tonnen humanitäre Hilfe jeden Tag. Momentan erhalte sie aber nur etwa ein Viertel davon. "Wir werden gemeinsam demonstrieren, dass europäische Werte keine leeren Worte sind."

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen benötigen in der Ukraine mehr als 12 Millionen Menschen dringend humanitäre Hilfe, darunter Nahrung, medizinische Versorgung und Unterkünfte. Vor Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar lebten in dem Land 44 Millionen Menschen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Mai 2022 um 15:00 Uhr.