Bärbel Bas | REUTERS

Bundestagspräsidentin in Kiew Bas gedenkt der Weltkriegsopfer

Stand: 08.05.2022 15:09 Uhr

Bundestagspräsidentin Bas hat in Kiew der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Sie traf auch den ukrainischen Präsidenten Selenskyj. Dieser sagte in einer Videobotschaft, Russland habe in der Ukraine eine "blutige Neuauflage des Nazismus" organisiert.

Bundestagspräsidentin Bärbel Bas hat in Kiew gemeinsam mit ihrem ukrainischen Amtskollegen Ruslan Stefantschuk der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Dass sie "als Repräsentantin des Landes, das den Zweiten Weltkrieg (...) zu verantworten hat", am Gedenktag zum Ende des Krieges in die Ukraine eingeladen worden sei, "ist ein großer Schritt", sagte Bas. Am Grabmal des unbekannten Soldaten in Kiew legte sie einen Kranz nieder.

Mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine sagte Bas, dieser müsse aufhören. Ihr Besuch sei auch ein Zeichen für Demokratie und gemeinsame europäische Werte. Stefantschuk dankte ihr für ihr Kommen gerade an diesem 8. Mai. "Das ist für uns wirklich ein Zeichen der Solidarität Deutschlands mit der Ukraine und mit dem ukrainischen Volk." Zuvor war Bas vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen worden, wie auf von einem Bundestagsvertreter auf Twitter veröffentlichten Fotos zu sehen war. 

Erste hohe Repräsentantin Deutschlands

Bas war am Morgen in der ukrainischen Hauptstadt eingetroffen. Die Anreise sei "ohne Zwischenfälle oder Verspätungen" verlaufen, sagte eine Parlamentssprecherin. Zunächst hatte sie demnach den ukrainischen Regierungschef Denis Schmyhal getroffen.

Nach den schweren Irritationen infolge der Ausladung von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier durch die Regierung in Kiew ist Bas die erste hohe Repräsentantin Deutschlands, die inmitten des russischen Angriffskriegs in der ukrainischen Hauptstadt zu Besuch ist. Der Besuch von Bas war schon seit April geplant. Inzwischen hat Selenskyj den Bundespräsidenten und die gesamte Bundesregierung in die Ukraine eingeladen.

Selenskyj: "Blutige Neuauflage des Nazismus"

Unterdessen wandte sich Selenskyj in einer emotionalen Videoansprache aus dem schwer zerstörten Kiewer Vorort Borodjanka an die Öffentlichkeit. Er zog Parallelen zwischen dem deutschen Überfall im Zweiten Weltkrieg und der jetzigen russischen Invasion. "In der Ukraine haben sie eine blutige Neuauflage des Nazismus organisiert", sagte der ukrainische Präsident über den russischen Angriff. "Eine fanatische Imitation des Regimes, seiner Ideen, Handlungen, Worte und Symbole. Eine verrückte detailgetreue Wiedergabe seiner Bestialitäten und Alibis, die diesem Bösen angeblich ein heiliges Ziel geben".

Er warf der russischen Führung vor, mit ihrem Angriff am 24. Februar aus der Antikriegslosung "Niemals wieder" das "Niemals" herausgestrichen und durch die Losung "Wir können das wiederholen" ersetzt zu haben. Seit Beginn der Invasion hätten die Russen viele Gräueltaten der Nazis wiederholt, wenn auch unter anderen Parolen, sagte er.

"Er kann sich nicht im Bunker verstecken"

Selenskyj erinnerte an den Beitrag des ukrainischen Volks zum Sieg der Anti-Hitler-Koalition. Das Land habe unter Bombardements, Massenerschießungen und Okkupation gelitten, habe Menschen in Konzentrationslagern und Gaskammern, in Kriegsgefangenschaft und bei Zwangsarbeit verloren, am Ende aber trotzdem gewonnen. Beweis sei der zerstörte "Werwolf"-Bunker von Adolf Hitler nahe der ukrainischen Stadt Winnyzja. Das zeige, dass sich das Böse seiner Verantwortung nicht entziehen könne. "Es kann sich nicht im Bunker verstecken", sagte er unter Anspielung auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin, dem Kritiker seit Kriegsbeginn immer wieder vorwerfen, sich vorsichtshalber an einem geheimen sicheren Ort aufzuhalten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Mai 2022 um 16:00 Uhr.