Das AKW Saporischschja in der Ukraine. | via REUTERS

IAEA zu Saporischschja AKW hängt nur noch an Reserveleitung

Stand: 03.09.2022 21:01 Uhr

Laut IAEA ist das AKW Saporischschja auch von seiner letzten Hauptstromleitung getrennt worden. Es hänge noch an einer Reserveleitung und liefere weiter Strom. Der türkische Präsident Erdogan bot an, im Streit um das Kraftwerk zu vermitteln.

Das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja ist auch von der letzten seiner vier Hauptstromleitungen getrennt worden. Das habe die Internationale Atomenergieagentur (IAEA) von den ukrainischen Mitarbeitern des Kraftwerks erfahren, erkläre IAEA-Chef Rafael Grossi. Derzeit liefere die Anlage aber noch Strom über eine Reserveleitung, über die das Kraftwerk im Notfall auch selbst mit Strom versorgt werden könnte.

Wegen Netzbeschränkungen war einer der beiden aktiven Reaktoren des AKW am Samstagnachmittag abgeschaltet worden, berichtete die IAEA weiter. Ein anderer Meiler sei weiterhin in Betrieb und liefere Strom, mit dem auch die Kühlung und weitere Sicherheitssysteme des AKW versorgt werden.

Seit Donnerstag befindet sich eine Delegation der IAEA im AKW, um sich einen Eindruck von der Sicherheitslage zu verschaffen. Während IAEA-Chef Grossi und einige andere bereits wieder abreisten, sollen zwei Mitarbeiter der Atomenergieagentur dauerhaft auf dem Gelände bleiben.

Ein Reaktor heruntergefahren

Das AKW befindet sich in der Stadt Enerhodar, die russisch besetzt ist. Die vom Kreml eingesetzte Stadtverwaltung hatte am Vormittag erklärt, dass das Kraftwerk keinen Strom mehr für die ukrainisch kontrollierten Gebiete der Region mehr liefere. Zuvor sei eine Stromleitung durch ukrainischen Beschuss zerstört worden. Unabhängig überprüfen ließ sich dies nicht. Unklar blieb auch, ob die russisch besetzten Gebiete weiter mit Strom versorgt würden.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Moskau meldet Angriff auf die Anlage

Das russische Verteidigunsministerium meldete, dass ukrainische Truppen am Freitag versucht hätten das Kraftwerk einzunehmen. Moskau berichtete von Dutzenden Booten mit Soldaten, die am Ufer des nahen Stausees hätten anlanden wollen und von russischen Flugzeugen und Helikoptern angegriffen worden seien. Belege legte das Ministerium keine vor.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bot sich in einem Telefonat mit Wladimir Putin als Vermittler im Streit über das Kraftwerk an, wie das türkische Präsidialamt erklärte. Unter Vermittlung der Türkei war bereits das Getreideabkommen zustande gekommen, das seitdem ermöglicht, Getreide aus der Ukraine über das Schwarze Meer zu exportieren.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. September 2022 um 20:30 Uhr.