Kernkraftwerk Saporischschja | REUTERS

Krieg gegen die Ukraine AKW Saporischschja vom Stromnetz getrennt

Stand: 25.08.2022 18:22 Uhr

Das AKW Saporischschja ist nach einem Feuer erstmals vom ukrainischen Stromnetz getrennt worden. Die Sicherheitssysteme arbeiten laut Betreiber aber. In den besetzten Gebieten im Süden der Ukraine fiel zeitweise der Strom aus.

Das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja ist zumindest zeitweise vom ukrainischen Stromnetz getrennt worden. Dies sei der erste Vorfall dieser Art, teilte die ukrainische Atomenergiebehörde Enerhoatom mit.

Durch Brände in Aschegruben in einem angrenzenden Wärmekraftwerk sei die letzte noch verbliebene Anschlussleitung zwischen dem AKW und dem ukrainischen Stromnetz unterbrochen worden, teilte Energoatom mit. Drei weitere Leitungen seien bereits zuvor "durch terroristische Angriffe" der russischen Seite beschädigt worden.

Der Stromausfall bedeute, dass die zwei im Betrieb verbliebenen Reaktoren in der größten Atomanlage Europas von der Stromversorgung abgeschnitten worden seien. Die Sicherheitssysteme des Kraftwerks seien derzeit aber nicht gestört, teilte Enerhoatom auf dem Nachrichtendienst Telegram mit. Das AKW werde nun über eine weitere Stromleitung zu einem Wärmekraftwerk in der Nähe mit Strom versorgt.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Stromausfälle in besetzten Gebieten

Ein kompletter Stromausfall in der Anlage würde ein ernstes Problem darstellen. Eine Unterbrechung der Stromversorgung könnte zur Abschaltung von Kühlsystemen führen, die für den sicheren Betrieb der Reaktoren benötigt werden.

Die russischen Besatzer erklärten, einer der beiden derzeit betriebenen Kraftwerksblöcke sei bereits wieder am Netz. Schuld an dem Feuer sei Beschuss der ukrainischen Seite gewesen. Überprüfen lassen sich diese Angaben nicht.

Die russischen Besatzungsbehörden in der Region Saporischschja bestätigten zudem ukrainische Berichte, wonach in den besetzten Städten Enerhodar, Melitopol und Cherson stundenlang der Strom ausfiel. Grund dafür seien "Provokationen durch Selenskyjs Kämpfer". Auch die Wasserversorgung in den südukrainischen Städten sei gestört, berichtete die ukrainische Seite. In Kürze werde die Stromversorgung wieder hergestellt, sagte der Chef der Besatzungsbehörde, Jewgeni Balizki.

AKW erzeugt ein Fünftel des ukrainischen Stroms

Während des Beschusses in den vergangenen Wochen - für den sich die Ukraine und Russland gegenseitig verantwortlich machen - wurden Teile der Nuklearanlage beschädigt. Einer der drei zu diesem Zeitpunkt noch in Betrieb stehenden Reaktoren musste deshalb nach ukrainischen Angaben abgeschaltet werden. 

Das AKW befindet sich nicht weit von der im Jahr 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim entfernt. Energoatom vermutet deshalb, dass Russland Saporischschja an das Stromnetz der Krim anschließen will. 

Vor dem russischen Angriffskrieg hatte das AKW Saporischschja etwa ein Fünftel des ukrainischen Stroms erzeugt. In der Anlage stehen sechs Reaktoren, die laut Energoatom zwischen 1984 und 1995 in Betrieb genommen wurden. Das AKW wurde von den russischen Truppen am 4. März eingenommen, also nur acht Tage nach Beginn der Invasion.  

Mit Informationen von Rebecca Barth, WDR, zzt. in Kiew

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. August 2022 um 17:00 Uhr.