Ein Soldat mit russischer Flagge auf der Uniform vor dem ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja. | REUTERS

Krieg in der Ukraine Sorge um AKW Saporischschja wächst

Stand: 09.08.2022 03:05 Uhr

International wächst die Sorge vor einem Zwischenfall durch Kämpfe am Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine. Ein Unfall hätte verheerende Folgen. Russland verweigert internationalen Experten weiter den Zugang zum AKW.

International wächst die Sorge um das russisch besetzte Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine. UN-Generalsekretär António Guterres warnte: "Jeder Angriff auf ein Atomkraftwerk ist eine selbstmörderische Angelegenheit." Das größte Atomkraftwerk Europas war in den vergangenen Tagen mehrfach mit Raketen beschossen worden. Russland und die Ukraine schieben sich dafür gegenseitig die Verantwortung zu.

Guterres forderte, dass Experten der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA nach Saporischschja gelassen werden. Bislang lehnt Russland dies ab. Der Chef der IAEA, Rafael Grossi, sieht eine "sehr reale Gefahr einer nuklearen Katastrophe" im Kriegsgebiet.

Bislang wohl keine Strahlung ausgetreten

Bislang allerdings ist nach Erkenntnissen der USA keine radioaktive Strahlung freigesetzt worden. "Wir beobachten die Aktivitäten weiterhin genau: Das Kraftwerk, das Energieministerium und die Nationale Behörde für nukleare Sicherheit berichten, dass die Strahlungssensoren weiterhin Daten liefern - und glücklicherweise haben wir keine Anzeichen für erhöhte oder abnormale Strahlungswerte festgestellt", sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses.

Auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat bislang keine Hinweise auf freigesetzte Radioaktivität. "Es liegen keine Hinweise vor, dass in der Ukraine radioaktive Stoffe freigesetzt worden sein könnten", teilte das Amt den Zeitungen der Funke Mediengruppe mit. Alle vorliegenden radiologischen Messwerte bewegten sich demnach "im normalen Bereich". "Das BfS sieht keine akute Gefahr einer Freisetzung von radioaktiven Stoffen, teilt aber die Sorge um einen dauerhaft sicheren Betrieb des AKW Saporischschja."

Nuklear-Experten halten Saporischschja aufgrund seiner Konstruktion für sicherer als die Kraftwerke in Tschernobyl oder Fukushima, bei denen es 1986 und 2011 zu schweren Reaktorunfällen gekommen war. Einem gezielten militärischen Angriff würde Saporischschja jedoch wohl nicht standhalten.

Unfall hätte wohl verheerende Auswirkungen

Ein Unfall am AKW durch Kämpfe hätte nach Einschätzung des ukrainischen Botschafters bei der IAEA verheerende Auswirkungen: "Was dann im Radius von 40 oder 50 Kilometern um das Kraftwerk passieren würde, wäre mit Tschernobyl und Fukushima absolut nicht vergleichbar", sagte Jewhenij Zymbaljuk.

Zymbaljuk forderte nicht nur erneut die Entsendung von IAEA-Experten nach Saporischschja, sondern regte auch an, unbewaffnete internationale Militärbeobachter dorthin zu schicken. Jedenfalls sollte die IAEA bis Ende des Monats vor Ort sein, sagte er. Für so einen Einsatz wäre aber laut IAEA die Unterstützung Moskaus und Kiews notwendig.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. August 2022 um 20:00 Uhr.