Dominic Ongwen vor dem Strafgerichtshof in Den Haag | via REUTERS

Internationaler Strafgerichtshof 25 Jahre Haft für ugandischen Ex-Milizenführer

Stand: 06.05.2021 13:31 Uhr

Mord, sexuelle Gewalt, Einsatz von Kindersoldaten: Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat den Ex-Kommandeur der ugandischen LRA-Miliz, Ongwen, dieser Taten für schuldig befunden. Nun muss er für lange Zeit in Haft.

Der frühere Kommandant der berüchtigten LRA-Miliz, Dominic Ongwen, ist vom internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Strafe entspreche der "extremen Schuld von Ongwen und der extremen Schwere der Verbrechen", erklärte das Gericht.

Ongwen war bereits im Februar für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen worden - darunter Mord, Verstümmelungen, sexuelle Gewalt und der Einsatz von Kindersoldaten. Heute wurde noch das Strafmaß festgelegt. Die gut sechs Jahre, die Ongwen bereits in Untersuchungshaft saß, werden auf das Strafmaß angerechnet.

Erst Opfer, dann Täter

Die Verkündung des Strafmaßes war mit Spannung erwartet worden, weil der etwa 46-Jährige als Kind selbst Opfer der LRA war. Ongwen war als Neunjähriger auf dem Weg zur Schule verschleppt und als Kindersoldat eingesetzt worden. Schließlich stieg er zu einem Stellvertreter des flüchtigen LRA-Chefs Joseph Kony auf, der die christlich-fundamentalistische "Widerstandsarmee des Herrn" (LRA) vor drei Jahrzehnten als selbsternannter Prophet gegründet hatte.

Der Vorsitzende Richter aus Deutschland, Bertram Schmitt, sagte, Ongwen sei trotz seiner eigenen Entführung als Kind voll zurechnungsfähig, habe eigenständig gehandelt und nicht versucht, die Rebellengruppe zu verlassen. Er habe zwar in den ersten Jahren sehr gelitten, sagte Schmitt: "Das rechtfertigte aber nicht die entsetzlichen Verbrechen, die er bewusst als Erwachsener begangen hatte." Das Gericht könne jedoch seine Erfahrungen brutaler Gewalt als Kind nicht ignorieren und verhänge deshalb eine geringere Strafe.

Schmitt verwies mit Nachdruck auf die "extreme Grausamkeit" der Verbrechen: Menschen wurden demnach bei lebendigem Leibe in Häuser eingesperrt und verbrannt, Mädchen und Frauen als Sex-Sklavinnen missbraucht, Kinder zum Töten und Foltern gezwungen. Ongwen war auch für vier Angriffe auf Flüchtlingslager von 2002 bis 2004 verantwortlich.

Verantwortlich für das Leid von Zehntausenden Menschen

Ongwens Verteidigung hatte auf zehn Jahre Haft plädiert und argumentiert, Ongwen leide durch seine Erfahrungen an einer geistigen Störung und sei zu den Verbrechen genötigt worden. Bei seiner Verurteilung Anfang Februar hatten die Richter das Argument jedoch abgelehnt und Ongwen in 61 von insgesamt 70 Anklagepunkten schuldig gesprochen.

Die "Lords Resistance Army", kurz LRA, war über Jahrzehnte eine der brutalsten Milizen in Uganda und den angrenzenden Staaten. Sie wird für den Tod, die Entführung und Vertreibung von Zehntausenden Menschen verantwortlich gemacht.

Der Prozess gegen Ongwen war im Dezember 2016 eröffnet worden. Er galt das bisher umfangreichste Verfahren am Internationalen Strafgerichtshof. Die Höchststrafe, die das Gericht verhängen kann, liegt bei 30 Jahren Haft, in Ausnahmefällen auch lebenslang. Ongwen hat bereits Berufung gegen seine Verurteilung eingelegt und kann auch das Strafmaß anfechten. Der Ugander hatte sich im Januar 2015 nach mehreren Jahren auf der Flucht der Justiz gestellt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Mai 2021 um 13:00 Uhr.