Der türkische Präsident Erdogan gibt vor Reportern ein Statement ab.

Streit mit der Türkei Botschafter-Eklat vorerst abgewendet

Stand: 26.10.2021 01:48 Uhr

Die Ausweisung von zehn Botschaftern aus der Türkei ist erst einmal abgewendet. Am Abend hat der türkische Präsident Erdogan nach einer Kabinettssitzung erklärt, er begrüße es, dass die Botschafter sich an die diplomatischen Gepflogenheiten halten wollen.

Von Filiz Kükrekol, ARD-Studio Istanbul

Die Aufregung war groß. Bis zuletzt war offen, wie der türkische Präsident Erdogan mit der Botschafterkrise umgehen würde, ob der Außenminister seine Anordnung, die zehn Botschafter zu unerwünschten Personen zu erklären, auch umsetzen würde. Nach einer mehr als dreistündigen Kabinettssitzung schließlich gab der Präsident ein Statement ab.

Wir gehen davon aus, dass diese Botschafter, die ihre Verbundenheit gegenüber Artikel 41 des Wiener Übereinkommens zum Ausdruck gebracht haben, künftig vorsichtiger auftreten werden; dass sie die Souveränität der Türkei, ihre Gesetze und die Ordnung anderer Länder respektieren und sich nicht in innere Angelegenheiten einmischen werden.

Und mit diesen Worten war die Krise abgewendet. Kein Wort mehr zur Ausweisung der Botschafter, die sich für die Freilassung des inhaftierten Mäzens Kavala eingesetzt hatten. Die US-Botschaft in Ankara hatte einen Tweet abgesetzt: man halte sich an Artikel 41 des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen, so die US-Vertretung.

"Geht uns nicht darum, Krise vom Zaun zu brechen"

Dieser Artikel besagt, dass sich Diplomaten an die Gesetze und Vorschriften des aufnehmenden Landes halten und diese respektieren und sich nicht in die inneren Angelegenheiten einmischen. Diese Einmischung verbitte man sich nämlich, sagte Erdogan am Abend.

Es geht uns ganz sicher nicht darum, eine Krise vom Zaun zu brechen, sondern darum Gerechtigkeit gegenüber unserem Land, sowie die Gesetze, die Ehre, die Interessen und die Souveränität der Türkei zu schützen. Schließlich haben sich dieselben Botschafter in einer neuen, jüngsten Erklärung von der Diffamierung unserer Justiz und unseres Landes distanziert.

So sieht es zumindest Präsident Erdogan. Er interpretiert die neutrale Stellungnahme der US-Botschaft zu Artikel 41, die alle neun anderen Botschaften auch übernommen haben, als Einlenken. Und so stellte Erdogan noch mal klar:

Keiner, der die Unabhängigkeit unseres Landes und die Empfindlichkeiten unserer Nation nicht respektiert, kann und darf sich in diesem Land aufhalten. Das möchte ich ausdrücklich betonen.

Rauswurf hätte auch die Wirtschaftsbeziehungen belastet

Die Lira war zum Wochenstart abermals abgesackt. Ein tatsächlicher Rauswurf der Botschafter hätte auch die Wirtschaftsbeziehungen belastet. Für Erdogan war es scheinbar ein orchestrierter Angriff auf die Wirtschaft.

Was ihnen mit Terrorismus und Putschversuch nicht gelungen ist, das versuchen sie nun mit hinterlistigen Angriffen auf unsere Wirtschaft. Wir zahlen teils hohe Opfer, um diese Angriffe abzuwenden.

Die politische Entspannung in der Botschafterkrise führte am Abend auch zur Entspannung auf dem Devisenmarkt und zur Erholung der Lira. Die hat in diesem Jahr fast ein Viertel ihres Wertes verloren.

Über dieses Thema berichteten am 25. Oktober 2021 die tagesschau um 20:00 Uhr und die tagesthemen um 22:15 Uhr.