Ein Arzt zeigt auf das Röntgenbild einer Lunge. (Archivbild: 02.03.2017)  | dpa

Weltgesundheitsorganisation Mehr Tuberkulose-Tote durch Corona

Stand: 14.10.2021 15:49 Uhr

Die Corona-Pandemie hat den Kampf gegen Tuberkulose weit zurückgeworfen. 2020 habe es wieder mehr TB-Tote gegeben, so die WHO. Gründe seien unter anderem das überlastete Gesundheitswesen und die Lockdowns gewesen.

Die Corona-Krise hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) tragische Auswirkungen auf die globale Bekämpfung der Tuberkulose. Erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt seien 2020 infolge der Engpässe im Gesundheitswesen und der Lockdowns wieder mehr Tuberkulose-Tote zu beklagen gewesen, erklärte die WHO.

Die Pandemie könnte die mühsam erzielten Fortschritte im Kampf gegen die Tuberkulose zunichte machen, warnte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus. Er rief die WHO-Mitgliedsländer zum Gegensteuern auf.

TB zweithäufigste Todesursache nach Corona

Im vergangenen Jahr seien rund 1,5 Millionen Menschen an der heilbaren Infektionskrankheit gestorben, hieß es in dem Welttuberkulosebericht. Im Jahr 2019 waren es nach Angaben der WHO noch rund 1,4 Millionen Tuberkulose-Tote gewesen. TB war 2020 nach Covid-19 die zweithäufigste Todesursache durch einen einzelnen Infektionserreger. Die Zahlen für 2021 und 2022 dürften deshalb noch schlechter sein, so die WHO.

Außerdem seien weniger neue Erkrankungen erfasst worden. Im Jahr 2020 waren es demnach 5,8 Millionen Fälle, 2019 noch 7,1 Millionen. Entsprechend sei die Zahl der Erkrankten ohne Diagnose gestiegen. Nach Schätzungen seien davon zurzeit 4,1 Millionen Kinder, Frauen und Männer betroffen. Im Jahr 2019 habe die Zahl bei gut 2,9 Millionen gelegen. Diese Menschen erhielten keine Tuberkulose-Behandlung und seien somit einem erhöhten Sterberisiko ausgesetzt.

Viele Hindernisse im Kampf gegen TB

Hinzu kommt, dass viele Länder finanzielle und personelle Ressourcen zur Bekämpfung der Tuberkulose in die Eindämmung von Corona geleitet hätten. Somit hätten sie den Kampf gegen die Tuberkulose geschwächt. Zudem hätten viele Menschen aufgrund der Ausgangssperren und Reisebeschränkungen keine Diagnosezentren oder Therapieeinrichtungen aufsuchen können.

Tuberkulose ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die durch Tröpfchen - etwa den Husten von Infizierten - übertragen wird. Sie befällt vor allem die Lunge. Die Krankheit kann erst Jahre nach einer Infektion ausbrechen. Anzeichen sind Husten, Müdigkeit und Fieber. Mit einer mehrmonatigen Antibiotikabehandlung kann sie geheilt werden. Unbehandelt kann sie zum Tod führen.

Eindämmung wurde verfehlt

Die WHO-Mitgliedsländer hatten vor sechs Jahren beschlossen, die Ausbereitung von Tuberkulose bis 2030 maßgeblich einzudämmen. Verglichen mit 2015 sollte die Zahl neuer Fälle pro 100.000 Menschen um 80 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 90 Prozent sinken. Die Zwischenziele für 2020 wurden deutlich verfehlt. Die Inzidenz ging bis dahin nur um elf Prozent zurück statt wie angepeilt um 20 Prozent.

Bei den Todesfällen lag der Rückgang bei 9,2 statt bei 35 Prozent. Die besten Ergebnisse verzeichnete die WHO-Region Europa, wo die Inzidenz sogar um 25 Prozent und die Zahl der Todesfälle um 26 Prozent zurückging, vor allem wegen Fortschritten in Russland.

Besonders von der Tuberkulose betroffen sind laut WHO Indien, Indonesien, China, die Philippinen, Pakistan, Nigeria, Bangladesch und Südafrika. In Deutschland wurden dem Robert Koch-Institut zufolge für das vergangene Jahr 4127 TB-Erkrankungen übermittelt, 2019 waren es rund 4812.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 14. Oktober 2021 um 18:39 Uhr.