Einheimische stehen vor Häusern, die ein Tornado zuvor zerstört hat, im Dorf Moravska Nova Ves in Tschechien. | AP

Tornado in Tschechien Eine Schneise der Zerstörung

Stand: 25.06.2021 14:43 Uhr

Einen Tag, nachdem ein Tornado Südmähren verwüstete, sitzt der Schock tief. Mindestens fünf Menschen kamen ums Leben. Tausende stehen mit einem Schlag vor den Trümmern ihrer Existenz. Der Wiederaufbau wird wohl Jahre dauern.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Am Morgen danach ist Marek Kosut der Schrecken noch anzusehen. "Wir sind froh, dass wir leben", sagte der Bürgermeister der Stadt Moravska Nova Ves. "Wir saßen direkt hinter dem Fenster und hatten Glück, dass wir es geschafft haben, uns in Sicherheit zu bringen."

Peter Lange ARD-Studio Prag

Es muss alles ganz schnell gegangen sein. So schildern es jedenfalls viele Betroffene, zum Beispiel auch Roman Drobecek. "Ich hab meiner Frau zugerufen, sie soll so schnell wie möglich die Kinder nehmen und in den Keller gehen", erzählte er. Und dann seien auch schon die ersten Scheiben zersprungen.

Tausende Häuser sind beschädigt

Ein merkwürdiges Dröhnen sei es gewesen, als ob ein Zug näherkommen würde, berichtet ein Augenzeuge. Es waren Unwetter angekündigt, in Südmähren wie in ganz Tschechien. Aber was sich in den Bezirken Hodonin und Breclav bildete, war ein Tornado. Er hatte die typische senkrechte Luftsäule, die mit Geschwindigkeiten von über 300 Kilometern pro Stunde durch die Gegend zog und dabei alles zerstörte, was im Weg war. 

Es war eine Apokalypse. "Das sind Einsätze, wie man sie von Erdbeben her kennt", sagte Jaroslav Mikoska, der Sprecher der Feuerwehr von Südmähren. Aber die Situation hier sei dem sehr ähnlich.

Tausende Häuser sind beschädigt oder zerstört. Viele Autos sind nur noch Wracks. Strommasten und Bäume wurden umgelegt. Mehrere zehntausend Haushalte sind ohne Strom. Wichtige Verkehrsverbindungen waren stundenlang blockiert. Nach einigen Vermissten wird noch gesucht.

200 verletzte Menschen

"Wir durchsuchen nun die Häuser, ob dort noch jemand drin ist", sagte Hynek Folvasky von der Feuerwehr Luzie. Das sei jetzt das Wichtigste. "Und dann prüfen wir die Statik."

Rettungskräfte aus ganz Tschechien wurden nach Südmähren beordert. Sie werden inzwischen von Soldaten unterstützt. Mindestens fünf Personen seien getötet worden, teilten die Rettungskräfte mit. 200 Menschen mussten medizinisch versorgt werden, 60 von ihnen sind so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus stationär behandelt werden müssen.

Innenminister Jan Hamacek, der bereits in der Nacht ins Katastrophengebiet reiste, war bei den Rettungskräften vor Ort. "Soweit ich gesehen habe, hat das System gut funktioniert", sagte er. Der Minister dankte Österreich und der Slowakei, die sofort zur Hilfe kamen. "Wir habe ihr großes Angebot nach und nach genutzt."

Rasche Hilfe angekündigt

Es sind Tausende, die nun mit einem Schlag buchstäblich vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. Hamacek kündigte rasche finanzielle Hilfen für die Betroffenen an und blickte schon nach vorn. "Jetzt müssen wir mit einem Wiederaufbaupaket kommen", stellte er klar. Die Häuser müssten abgerissen und neugebaut werden - auch die Straßen. "Das dauert Monate und Jahre. Das ist viel Geld, da muss der Staat helfen", sagte Hamacek.

Am Nachmittag wird auch Ministerpräsident Andrej Babis nach Südmähren reisen. Er war in Brüssel beim EU-Gipfel und konnte gestern Abend nicht mehr nach Tschechien fliegen - wegen des Unwetters.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Juni 2021 um 14:00 Uhr.