Schäden des Tornados in der tschechischen Stadt Moravska Nova Ves. | AP

Tote und Verletzte Tornado wütet in Tschechien

Stand: 25.06.2021 08:46 Uhr

Es sind Bilder, wie man sie sonst eher aus Nordamerika kennt: Ein schweres Unwetter hat in Tschechien eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Mindestens drei Menschen starben, mehr als 200 wurden verletzt.

Bei einem Unwetter mit einem Tornado sind im Südosten Tschechiens mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 200 Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer, wie eine Sprecherin der Rettungskräfte sagte.

In mehreren Dörfern wurden Dächer abgedeckt, Fensterscheiben zerstört, Bäume umgestürzt und Autos umhergeschleudert. Auch mehrere Busse seien bei dem Unwetter in Südmähren nahe der Grenze zu Österreich umgestürzt, berichtete der Fernsehsender CT. Die Situation dort sei wie in einem Krieg, sagte Gesundheitsminister Adam Vojtech im Fernsehen. Ministerpräsident Andrej Babis will das Unglücksgebiet am Nachmittag nach seiner Rückkehr vom EU-Gipfel aus Brüssel besuchen. Die Regierung versprach schnelle finanzielle Hilfe für die Betroffenen.

"Alles flog herum"

Viele Einwohner der betroffenen Gemeinden standen unter Schock. "Auf einmal habe ich ein merkwürdiges Dröhnen gehört, als ob ein Zug näherkommen würde", sagte ein Augenzeuge der Zeitung "Pravo". "Dann begann die Hölle, alles flog herum." Sein Haus habe kein Dach mehr, keine Zimmerdecke, keine Fenster, berichtete ein anderer. Die Region an der Grenze zu Österreich ist als Weinanbaugebiet bekannt.

Besonders betroffen waren die Gemeinden Hrusky mit knapp 1500 und Moravska Nova Ves mit rund 2600 Einwohnern. Der stellvertretende Bürgermeister Hruskys sagte der Agentur CTK, dass der halbe Ort dem Erdboden gleichgemacht worden sei. "Geblieben sind nur die Mauern, ohne Dach, ohne Fenster", sagte er. Die Menschen hätten sich vor dem Unwetter nicht schützen können. Mehrere Rettungsstaffeln mit Hunden suchen in Gebäuden nach möglichen Verschütteten.

Millionenschaden an UNESCO-Weltkulturerbe

Die Polizei sperrte die Zufahrtswege zu mehreren Orten, um Schaulustige fernzuhalten. In den Verwaltungsbezirken Breclav und Hodonin fielen nach Berichten in den sozialen Medien Hagelkörner von der Größe von Tennisbällen. Am Schloss Valtice, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, entstand Millionenschaden. An dem Barockbau aus dem 17. Jahrhundert barsten zahlreiche Fensterscheiben.

Die Autobahn D2, die von Brünn (Brno) nach Breclav führt, war nicht befahrbar, weil eine Hochspannungsleitung auf die Fahrbahn gestürzt war. Rund 32.000 Haushalte waren ohne Elektrizität. Die Regierung in Prag versetzte Kräfte der Armee für einen möglichen Hilfseinsatz in Bereitschaft. Österreich schickte 20 Krankenwagen und zwei Rettungshubschrauber, auch die benachbarte Slowakei entsandte Hilfe.

Über dieses Thema berichtete das ARD-morgenmagazin am 25. Juni 2021 um 05:37 Uhr.

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KOMMENTARE

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KongoMüller 25.06.2021 • 18:11 Uhr

Tornadohäufigkeit

Die Region mit der höchsten Tornadodichte in Relation zu seiner Größe ist -wer hätts gedacht- Großbritannien. Von dort über die Norddeutsche Tiefebene bis weit hinein nach Polen ist natürliches Tornadogebiet. Durch unser zu groß geratenes Bauernkaff alleine sind in den letzten 10 Jahren zwei Tornados durchgefegt. Durch 2 Nachbargemeinden in 25 km Umkreis ebenfalls. Also garnicht mal so selten. In den USA begünstigt die Geologie, wie manche schon schrieben, die Entstehung von riesigen Superzellen, gerade an der Kante der Great Plains, wo die feuchtwarme Luft nach oben auf die Hochebene "gezwungen" wird und dort die trockene kalte Luftschicht wie mit Anlauf durchstößt und auf Scherwinde trifft. Alle Zutaten für die Mesozyklone sind im Topf und es kann angerührt werden. Ist bei uns so ähnlich nur das die feuchtwarme Luft über den Golfstrom kommt und dann auf Polarluft aus Nordosten trifft, allerdings ohne den Beschleuniger einer Kontinentalerhöhung. Gruß, KongoMüller