Eine Frau geht bei Regen durch die fast menschenleere Altstadt, Prag/Tschechien. | dpa

Corona-Pandemie Tschechien droht die vierte Welle

Stand: 23.10.2021 17:33 Uhr

In Tschechien nimmt die nächste Corona-Welle Fahrt auf. Ab Montag gelten deshalb neue Vorschriften. Die Parteien des möglichen neuen Fünferbündnisses werfen Noch-Regierungschef Babis vor, Daten und Informationen zurückzuhalten.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Radka Lukesova hat eine Kneipe in Prag. Wenn die Wirtin an die neuen Corona-Regeln denkt, wird sie sofort sauer: "Wenn ich die Kneipe voll habe, kann ich es überhaupt nicht schaffen. Die sollen die Polizei einsetzen, um die Leute zu kontrollieren." Sie befürchtet, dass die Gäste sauer sein werden und mit ihr streiten. "Ich weiß nicht, wie ich das machen soll," zweifelt sie.

Peter Lange ARD-Studio Prag

Was Radka Lukesova so aufbringt: Im Gastgewerbe sind ab dem 1. November auch in Tschechien die Inhaber dafür verantwortlich, dass die 3G-Regeln eingehalten werden. Bisher waren sie dazu nicht verpflichtet. Dafür machten Polizei und Gesundheitsämter Stichproben.

"Wir haben ein sprunghaftes Wachstum"

Aber das reicht nun nicht mehr, denn die Corona-Pandemie droht wieder außer Kontrolle zu geraten. Die Zahlen seien überhaupt nicht erfreulich, sagt der Medizinstatistiker Ladislav Dusek. "Wir haben ein sprunghaftes Wachstum. Dadurch geraten wir in ein Risiko-Szenario."

Die aktuellen Daten bestätigen Dusek: Binnen einer Woche ist die Sieben-Tage-Inzidenz von 90 auf über 150 gestiegen. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen lag zuletzt bei rund 3600 und damit um über 2100 höher als vor einer Woche.

Auch die Krankenhäuser füllen sich wieder mit Covid-Patienten: 771 sind es gegenwärtig, 60 Prozent mehr als vor einer Woche. 58 Menschen sind in den vergangenen sieben Tagen gestorben. Im gesamten September waren es 44. Die Reproduktionsziffer bewegte sich monatelang mehr oder weniger deutlich unter eins. Sie ist nun auf 1,8 hochgeschnellt.

Neue Einschränkungen sollen helfen

Am Mittwoch, knapp zwei Wochen nach der Parlamentswahl, hat die Regierung Babis nun neue Einschränkungen verkündet, um eine neue Welle zu stoppen oder zumindest abzuflachen. Das Gastgewerbe wird in die Mitverantwortung genommen. Außerdem, so Gesundheitsminister Adam Vojtech, gelte in der Tschechischen Republik ab dem 25. Oktober eine Maskenpflicht in den Innenräumen von Unternehmen und Behörden. Ausgenommen seien Beschäftigte, die allein in einem Büro arbeiten.

Tests gibt es für die meisten Erwachsenen ab November auch nicht mehr kostenlos. Damit soll die eingeschlafene Impfbereitschaft wieder geweckt werden. Denn in Tschechien sind nur etwa 60 Prozent der Bevölkerung komplett geimpft.

Für Martin Baxa, den stellvertretenden Vorsitzenden der Demokratischen Bürgerpartei ODS, kommt das alles wieder einmal zu spät. Die Maßnahmen seien ungenügend, sagt er, und belegen nur das Chaos in der Regierung Babis. Sie habe in den eineinhalb Jahren der Pandemie nichts gelernt.

Die Zahlen verheißen nicht Gutes

Die ODS arbeitet derzeit mit den vier anderen Mitte-Rechts-Parteien an einer Koalition, die mit ihrer neuen Mehrheit im Parlament Babis ablösen will. Das Fünferbündnis klagt über fehlende Informationen und Daten. Babis hat ihrem Kandidaten für das Amt des Gesundheitsministers, Vlastimil Valek, angeboten, schon jetzt die Leitung des Ministeriums zu übernehmen. Valek hat dankend abgelehnt. Unter einem ehemaligen Geheimdienstspitzel werde er nicht arbeiten. Ohnehin bliebe die Frage, wer ihn ernennen könnte, denn der Präsident ist bekanntlich krank.

Dusek, der Gesundheitsstatistiker, schaut angesichts der aktuellen Lage mit Sorge auf die Entwicklung in den Krankenhäusern. "Die Attacke auf die Krankenhäuser kann die Höhepunkte erreichen, die wir im letzten Herbst und im Frühling dieses Jahres gesehen haben", befürchtet er.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Oktober 2021 um 09:49 Uhr.