Eine Kapelle steht vor den Kühltürmen des tschechischen Kernkraftwerks Dukovany. | REUTERS

Atomkraftwerk Dukovany Tschechien schließt Russland aus

Stand: 20.04.2021 17:37 Uhr

Der diplomatische Streit zwischen Russland und Tschechien weitet sich aus. Der russische Konzern Rosatom darf sich nicht mehr als Bauträger für das AKW Dukovany bewerben. Das Unternehmen sprach von einer "politischen Entscheidung".

Tschechien schließt Russland von der geplanten Ausschreibung für den Ausbau des Atomkraftwerks Dukovany in Mähren aus. Industrie- und Handelsminister Karel Havlicek gab bekannt, dass Rosatom nicht an einer vorangehenden Sicherheitsüberprüfung teilnehmen darf. Dies habe das Kabinett so beschlossen.

Rosatom sprach von einer "politischen Entscheidung", die nicht gut für die tschechisch-russischen Beziehungen sei. Nach dem Ausschluss des russischen Konzerns sind nun noch EdF aus Frankreich, KHNP aus Südkorea und Westinghouse aus den USA im Rennen.

Auftragswert von sechs Milliarden Euro

Bis 2036 soll für das Atomkraftwerk Dukovany ein neuer Reaktorblock gebaut werden. Tschechien will damit unabhängiger vom Strom aus Kohle werden. Der Auftrag wird auf einen Wert von mehr als sechs Milliarden Euro geschätzt.

Eigentlich hatte sich das Kabinett von Ministerpräsident Andrej Babis darauf verständigt, dass erst die nächste Regierung nach den Wahlen im Oktober über den Bewerberkreis entscheiden solle. Bereits im April hatte es aber im Prager Parlament Streit zwischen der Opposition und der Regierung gegeben, Rosatom überhaupt zu dem Verfahren zuzulassen.

Der Nationale Sicherheitsrat empfahl, dass der Inlandsgeheimdienst in einem Sicherheitsverfahren die Bewerber überprüfen solle. Der warnt seit jeher vor der Einflussnahme Russlands und Chinas.

Diplomaten wurden ausgewiesen

Nun hat die Regierung Babis von vornherein doch den russischen Konzern als möglichen Bauträger ausgeschlossen. Hintergrund ist das aktuelle diplomatische Zerwürfnis zwischen Prag und Moskau. Tschechien hatte Russland für Explosionen in einem Munitionslager mit zwei Todesopfern im Jahr 2014 verantwortlich gemacht und 18 russische Botschaftsmitarbeiter ausgewiesen.

Babis sprach von klaren Beweisen, dass Angehörige des russischen Militärgeheimdienstes GRU an der Operation beteiligt gewesen sein sollen. Heute bekräftigte er den Vorwurf noch einmal; es habe sich um einen "beispiellosen terroristischen Anschlag auf tschechischem Territorium" gehandelt.

Der Kreml wies die Vorwürfe der tschechischen Regierung zurück und bezeichnete die Ausweisung der russischen Diplomaten als "Provokation und unfreundlichen Akt". Moskau verwies im Gegenzug 20 tschechische Botschaftsangehörige des Landes.

Prag sucht Hilfe in Europa

Die russische Gegenreaktion wird in Prag nun als unverhältnismäßig wahrgenommen. Innenminister Jan Hamacek, der kommissarisch auch das Außenamt leitet, kritisierte, dass die vergleichsweise kleine Botschaft seines Landes in Moskau in ihrer Funktion "gelähmt" sei. Er habe für Mittwoch den russischen Botschafter vorgeladen, um einen Protest zu übermitteln. Zudem werde man die Verbündeten in EU und NATO bitten, die Arbeit der Vertretung zu unterstützen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. April 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.