Königin Elizabeth II. schüttelt der neuen Premierministerin  Liz Truss die Hand | REUTERS

Machtwechsel in Großbritannien Queen ernennt Truss zur Premierministerin

Stand: 06.09.2022 14:44 Uhr

Zum dritten Mal in sechs Jahren erlebt Großbritannien einen Wechsel an der Regierungsspitze. Liz Truss ist von der Queen offiziell zur Premierministerin ernannt worden. Sie bezieht die Downing Street in einer kritischen Phase.

Liz Truss ist neue Premierministerin des Vereinigten Königreichs. Die bisherige Außenministerin wurde von Queen Elizabeth II. auf Schloss Balmoral in Schottland zur Nachfolgerin von Boris Johnson ernannt. Er war zuvor ebenfalls auf Balmoral von der Queen formell aus dem Amt entlassen worden

Die Königin hält sich traditionell von Mitte Juli bis Mitte September auf ihrem schottischen Landsitz auf. Dass sie die Politiker erstmals nicht im Buckingham-Palast in London empfing, hat mit den Mobilitätsproblemen der 96 Jahre alten Monarchin zu tun, die während ihrer 70 Jahre währenden Regentschaft nun drei Frauen und zwölf Männer in der Downing Street erlebt hat.

Heute noch Bekanntgabe des Kabinetts?

Nach ihrer Ernennung durch die Queen machte sich Truss gemeinsam mit ihrem Ehemann Hugh O'Leary auf den Weg in ihren Regierungssitz in der Londoner Downing Street. Dort soll die 47-Jährige am Nachmittag ihre erste Rede als Premierministerin halten. Erwartet wird, dass sie anschließend die wichtigsten Mitglieder ihres Kabinetts bekannt gibt.

Ebenfalls wird erwartet, dass Truss schon bald die Umrisse eines Plans vorlegt, mit dem der enorme Anstieg der Lebenshaltungskosten abgefedert werden soll. Auch in Großbritannien geht die Furcht um, dass die infolge des Ukraine-Kriegs hochschnellenden Energiekosten Millionen Haushalte in finanzielle Schieflage bringen könnten. Einem Bericht der Boulevardzeitung "Sun" zufolge will Truss daher die Preise für Gas und Strom einfrieren - ein Vorhaben, das den britischen Staat laut dem Bericht mindestens 40 Milliarden Pfund (rund 46,5 Milliarden Euro) kosten dürfte.

Keine uneingeschränkte Unterstützung für Truss

Sollte Truss gleichzeitig an ihren Ankündigungen festhalten, Steuern zu senken, dürfte das zu einem schwierigen Spagat werden. Hinzu kommen die Probleme des chronisch unterfinanzierten Gesundheitsdiensts NHS und massive Unzufriedenheit im öffentlichen Sektor über Löhne und Gehälter. Schon jetzt ist die Unterstützung, die Johnsons Nachfolgerin in der eigenen Partei und innerhalb ihrer Fraktion genießt, keinesfalls uneingeschränkt. Das erhöht den Druck auf Truss, umgehend bei den Wählern einen positiven Eindruck zu hinterlassen.

Gestern war Truss nach einem wochenlangen parteiinternen Auswahlprozess zur Parteichefin und damit auch zur designierten Premierministerin gekürt worden. Sie konnte sich bei der Abstimmung unter den Tory-Mitgliedern zwar gegen Ex-Finanzminister Rishi Sunak durchsetzen, allerdings deutlich knapper als gedacht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. September 2022 um 15:00 Uhr.