Blick auf die Triumphpforte in Innsbruck, dahinter die Nordkette. | dpa

Südafrikanische Corona-Mutante Österreich warnt vor Reisen nach Tirol

Stand: 08.02.2021 18:42 Uhr

Die südafrikanische Corona-Variante breitet sich in Tirol stark aus. Deswegen stand sogar eine Abriegelung des österreichischen Bundeslandes im Raum. Vorerst sieht die Regierung in Wien davon ab - warnt aber vor nicht notwendigen Reisen.

Österreich hat für das Bundesland Tirol aufgrund der als brisant eingeschätzten Corona-Lage ab sofort eine Reisewarnung verhängt. Das erklärte die Bundesregierung in Wien.

Zuletzt war es in Tirol zu einer starken Ausbreitung der ansteckenderen südafrikanischen Coronavirus-Variante gekommen. "Daher ist alles zu tun, um zu verhindern, dass sich diese Mutationen immer weiter ausbreiten", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz. Er forderte, Reisen nach Tirol "auf das unbedingt erforderliche Ausmaß zu verringern".

Zudem fordert die Regierung alle Urlauber, die sich in den vergangenen zwei Wochen in Tirol aufgehalten haben, zu einem Corona-Test auf. Reisende aus Tirol sollen sich vor der Fahrt in ein anderes Bundesland ebenfalls testen lassen. Gesundheitsminister Rudi Anschober sagte, die Lage würde laufend überprüft. "Zusatzmaßnahmen sind jederzeit möglich."

Landesregierung präsentiert zusätzliche Maßnahmen

Nach Einschätzung von Experten liegen mittlerweile 293 belegte Fälle der südafrikanischen Mutation in Tirol vor, die Zahl der aktiven Fälle wird demnach auf zumindest 140 geschätzt. Experten hatten deshalb die Isolierung zumindest einzelner Gebiete gefordert.

Noch während der Verhandlungen mit dem Gesundheitsministerium präsentierte die Tiroler Landesregierung eigene Vorschläge zur Eindämmung und rief die Bevölkerung auf, die Mobilität einzuschränken. Für die Benutzung von Seilbahnen müssen Gäste künftig einen negativen Corona-Test vorweisen. Obendrein soll es flächendeckende Corona-Tests in Bezirken geben, in denen das Virus oft nachgewiesen wurde.

Eine zentrale Frage ist auch, ob Tirol vor allem deshalb im Fokus steht, weil das Land im großen Stil die Infektionslage erforscht. "Wir sind beim Sequenzieren Vorreiter in Österreich, weshalb uns im Moment auch die vollständigste und umfassendste Datenlage zur Verfügung steht", sagte Landeschef Günther Platter.

Söder für Grenzschließungen

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte bereits zuvor vor allen nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Österreich gewarnt. Ganz Österreich - mit Ausnahme der Exklaven Jungholz und Kleinwalsertal - gilt nun als Risikogebiet.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) brachte eine Schließung der Grenzen zu Tirol ins Spiel. Bayern sei sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Horst Seehofer darüber einig, dass dies auf deutscher Seite nötig sei, sagte er dem "Münchner Merkur". Jeglicher Grenzverkehr aus touristischen Gründen oder zum Einkaufen müsse unterbleiben. "Mit Grenzkontrollen und Schleierfahndung wird das dichter kontrolliert. Sollte die Gefahr wachsen, dürfen auch Grenzschließungen zu Tirol kein Tabu sein."

Er habe große Sorgen wegen der Virus-Mutationen, sagte Söder. Experten schätzten die südafrikanische Mutation als gefährlicher ein als die britische. "Der Krankheitsverlauf soll schwerer und die Resilienz gegen Impfungen höher sein. Diese Mutation würde uns wieder weit zurückwerfen." Nun könne es sein, dass für Bayern aus Tirol wieder größere Infektionsgefahr droht.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Februar 2021 um 18:00 Uhr.