Blick auf den Lawinenkegel nach einer Lawine an der tirolisch-schweizerischen Grenze in Spiss | AFP

Unglücke in Österreich Neun Menschen sterben durch Lawinen

Stand: 05.02.2022 15:05 Uhr

In Österreich sind seit gestern mindestens neun Menschen durch Lawinenabgänge ums Leben gekommen. In Tirol wurden Dutzende Lawinen gemeldet. Wegen der starken Schneefälle der vergangenen Tage ist das Risiko hoch.

Die Zahl der Todesopfer infolge von Lawinenabgängen in Österreich steigt weiter an. Mindestens neun Menschen kamen seit Freitag ums Leben, mehrere wurden verletzt.

Am Vormittag wurde die Leitstelle Tirol informiert, dass eine Gruppe Skifahrer im Bereich der Gammerspitze im Gemeindegebiet von Schmirn von einer Lawine überrascht wurde. Vier der fünf Wintersportler konnten lebend aus den Schneemassen geborgen und schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht werden, wie der ORF berichtete. Ein Mitglied der Gruppe kam jedoch ums Leben.

Acht Todesfälle am Freitag

Bereits am Freitag waren in Österreich nach Angaben des ORF kamen am Freitag landesweit acht Menschen ums Leben.

Bei einer Suchaktion in der Wildschönau in den Kitzbüheler Alpen wurde am späten Abend ein Ehepaar tot geborgen. Die 61-jährige Frau und der 60-jährige Mann waren am Nachmittag zum Gipfel der Breiteggspitze aufgebrochen, kehrten von dem Ausflug jedoch nicht zurück, wie der ORF berichtete. Daraufhin starteten Alpinpolizei, Bergrettung und Feuerwehr eine große Suche, auch Suchhunde, Hubschrauber und eine Drohne kamen zum Einsatz. Die Rettungskräfte entdeckten dabei eine Schneebrettlawine südlich des Gipfels. Das Paar war unter den Schneemassen verschüttet worden.

Touristengruppe aus Schweden verschüttet

Im Bereich des Skigebiets Ischgl-Samnaun an der Grenze zwischen Tirol und der Schweiz wurden eine Gruppe schwedischer Touristen sowie ihr Bergführer von einer Lawine verschüttet. Sie waren abseits der Piste auf einer Skitour zum Unteren Malfragkopf unterwegs. Einer der fünf Schweden wurde nur teilweise in den Schneemassen verschüttet und konnte per Handy einen Freund verständigen, der wiederum die Rettungskräfte informierte.

Dank eines aus dem Schnee ragenden Lawinen-Airbags konnte die Unglücksstelle schnell ausfindig gemacht werden. Hubschrauber brachten die Suchmannschaft in das hochalpine Gebiet. Der Mann, der den Anruf absetzen konnte, überlebte. Die weitere Mitglieder der Gruppe und auch der Bergführer kamen durch die Lawine ums Leben.

Skifahrer löst abseits der Piste Lawine aus

Ebenfalls am Freitag wurde im Arlberg-Skigebiet im Bundesland Vorarlberg ein Mann von einem Schneebrett überrascht. Er wollte mit drei weiteren Skifahrern vom Gipfel des Knödelkopfes über freies Gelände ins Tal abfahren. Der Verschüttete konnte von den anderen Wintersportlern zwar schnell geortet und mithilfe der eintreffenden Rettungskräfte ausgegraben werden. Doch Reanimationsversuche des 43 Jahre alten Mannes blieben erfolglos.

"Alle Warnungen nützen nichts"

Nach heftigen Schneefällen in den vergangenen Tagen herrschte in Tirol auf der fünfteiligen Lawinengefahren-Skala die Stufe 3. Bei dieser Stufe passieren nach Experteneinschätzung die meisten Lawinenunglücke. Allein in Tirol wurden der Leitstelle am Freitag etwa 50 abgegangene Lawinen gemeldet. Damit war es der bis dahin folgenschwerste Lawinentag in dieser Wintersaison.

Der Chef des Tiroler Lawinenwarndienstes, Rudi Mair, sagte angesichts der zahlreichen Vorfälle: "Es macht mich traurig, aber ich bin auch erschüttert und wütend, dass alle Warnungen nichts nützen." Seit Tagen werde auf die kritischen Verhältnisse hingewiesen. Skitouren und Variantenabfahrten abseits gesicherter Pisten erforderten aktuell besonders viel Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr.

Über dieses Thema berichteten die tagesschau am 04. Februar 2022 um 20:00 Uhr und Deutschlandfunk am 05. Februar 2022 um 11:00 Uhr in den Nachrichten.