Wien: Menschen warten vor einer Covid-Teststation in einer Apotheke, um sich mit Antigen-Schnelltests auf das Coronavirus testen zu lassen. | dpa

Corona-Pandemie Wo das Testen besser läuft

Stand: 24.02.2021 10:58 Uhr

Bisher gibt es in der EU nur wenig Gewissheit über die erfolgreichsten Strategien in der Pandemiebekämpfung. Kein Land hat ein Patentrezept. Umfangreiche Tests gelten aber als wichtige Maßnahme.

Von Helga Schmidt, ARD-Studio Brüssel

Früher als andere Länder hat Dänemark auf das Testen gesetzt. Mobile Teststationen und Schalter, die man mit dem Auto anfahren kann, sollen überall im Land helfen, Hürden abzubauen. Im Moment werden von 1000 Dänen jeden Tag mindestens 17 getestet - das sind zehn Mal so viele Tests wie in Deutschland.

Helga Schmidt ARD-Studio Brüssel

Neben strengen Reiseregeln, einem harten Lockdown nach Weihnachten und schnellem Impfen gehört das Testen fest zum Anti-Corona-Programm der Regierung in Kopenhagen. Die hat auch schon Lockerungen ankündigt. Ein Teil des gesellschaftlichen Lebens könne wieder stattfinden, heißt es in Kopenhagen, wenn jetzt die Schnelltests dazu kommen. Zehn Millionen Einheiten seien eingekauft.

"In Laboren mehr möglich"

Wie unterschiedlich die EU-Mitgliedsländer durch die Pandemie kommen ist Thema unter den Europa-Abgeordneten. Man vergleicht. Die Gesundheitsexpertin der Grünen, Jutta Paulus, kritisiert, dass in Deutschland aktuell so wenig getestet werde: "Letztes Jahr ist Deutschland auch aufgrund der massiven Testungen gut durch die erste Welle gekommen. Mittlerweile sind wir weit zurückgefallen im internationalen Vergleich", so Paulus. "Ich halte das für einen kapitalen Fehler. Wir schöpfen zur Zeit nicht einmal die vorhandenen Testkapazitäten aus. In den Laboren wäre durchaus noch mehr möglich."

Paulus macht darauf aufmerksam, dass in Dänemark von den Getesteten nur 0,4 Prozent das Coronavirus haben. In Deutschland seien es viel mehr: Mehr als sechs Prozent der Getesteten seien positiv. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind geringe Testzahlen bei gleichzeitig hohen Trefferquoten problematisch. Man vermutet dahinter eine hohe Dunkelziffer.

Deshalb sei es laut Paulus sinnvoll, auch mehr Menschen ohne Symptome testen zu lassen. "Es wäre dringend erforderlich, dass unsere Teststrategie endlich geändert wird. Momentan bekommen ja nur die Leute einen Test, die auch Symptome zeigen, während wir wissen, dass das Virus unter anderem insbesondere durch Kontaktpersonen, die selbst keine Symptome zeigen, weitergetragen werden kann."

Frankreich setzt auf Massentests

In Frankreich sind die PCR-Tests kostenlos. Jeder soll die Chance haben, schnell eine Ansteckung herausfinden zu können. Diese Strategie ist teuer - die Kosten werden bisher auf rund drei Milliarden Euro geschätzt. Doch die Test-Kampagne läuft auf Hochtouren. Die Zahl der Toten in Frankreich ist stark zurückgegangen, aber bei den Neuinfektionen liegen die Werte immer noch hoch. Damit die Schulen geöffnet bleiben können, wird dort besonders intensiv getestet.

"Umdenken in Deutschland nötig"

Damit auch in Deutschland mehr getestet werden kann, bedarf es laut Andreas Glück, Europa-Abgeordneter und Arzt, eines Umdenkens: "Wir müssen die Hürden dafür, dass sich jemand testen lässt, so niedrig wie möglich halten. Dazu braucht es einfache und effektive Möglichkeiten, dass sich alle Testwilligen zeitnah, unkompliziert und kostenfrei testen können."

Der FDP-Politiker hält auch Schnelltests durch geschultes Personal für einen richtigen Schritt, um die Neuinfektionen unter Kontrolle zu bekommen. Dass die Bundesregierung solche Schnelltests jetzt verschoben hat und erst eine Gesamtstrategie erarbeiten will, dafür hat Glück kein Verständnis: "Da wird groß getönt, dass es kostenlose Tests geben soll und dann stellt man im Nachhinein fest, dass die Tests ja auch von jemandem durchgeführt werden müssen und dass man die Tests erst mal verteilen muss."

Österreich ist Spitzenreiter

Ganz vorne beim Testen liegt Österreich: Auf 1000 Einwohner kommen jeden Tag 24 Getestete. Kein Flächenland in der EU testet mehr.

Das sei trotzdem kein Vorbild für Deutschland, denn Wien habe die Schnelltests ohne die nötige Prüfung zugelassen, so der CDU-Europaabgeordnete Peter Liese: "Österreich hat sie einfach alle zugelassen, ohne genau hinzuschauen. Experten sagen, da seien Tests dabei, da könne man besser eine Münze werfen", so Liese. "Da sei die Aussagekraft genau so groß wie bei einem Selbsttest, zum Beispiel einem Spucktest."

Zwar hält auch Liese Schnelltests für richtig, doch der CDU-Politiker verteidigt die Linie der Bundesregierung, die Tests in eine Gesamtstrategie einzubauen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. Februar 2021 um 10:48 Uhr.