Heiko Maas | AFP

Maas bei EU-Außenministertreffen Afghanistan-Hilfen nur gegen Auflagen

Stand: 02.09.2021 21:32 Uhr

Nach der Machtübernahme der Taliban ist die Lage für viele Afghanen prekär. Außenminister Maas sagte nun, Deutschland könne die Entwicklungshilfe unter Bedingungen wieder aufnehmen. Gespräche mit den Taliban seien unausweichlich.

Außenminister Heiko Maas hat den radikal-islamischen Taliban in Aussicht gestellt, dass Deutschland die derzeit gestoppten Entwicklungshilfe-Zahlungen für Afghanistan wieder aufnimmt. Voraussetzung sei allerdings eine Regierung, die nicht nur aus Taliban besteht, sagte der SPD-Politiker zu Beginn von Beratungen mit EU-Amtskollegen in Slowenien. Zudem müssten grundlegende Menschen- und Frauenrechte gewahrt werden.

Diplomatische Präsenz vor Ort?

Maas drängte darauf, geschlossen zu handeln. "Es gibt in Afghanistan eine neue Realität - ob uns das gefällt oder nicht", sagte er. An Gesprächen mit den Taliban führe kein Weg vorbei, machte er deutlich. Die meisten Menschen würden aufgrund der geschlossenen Grenzen das Land nicht verlassen können. Es drohe eine "humanitäre Katastrophe". Um den Menschen zu helfen, müsse man "mit den Taliban sprechen". Auch eine diplomatische Präsenz vor Ort sei dafür nötig.

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn sagte, es gehe "nicht um eine Anerkennung der Taliban". Zentral sei nun die Frage, wie Millionen von Menschen geholfen werden könne. Der österreichische Außenminister Alexander Schallenberg sprach von einem massiven "Misstrauensvorschuss", den die EU den Taliban entgegenbringe. Dennoch seien Gespräche nötig, um Terrorgefahren abzuwenden. "Afghanistan darf nicht zu einem schwarzen Loch der Sicherheitspolitik werden", betonte er. 

USA erlauben persönliche Geldsendungen

Während die EU-Mitglieder noch versuchen, einen gemeinsamen Kurs gegenüber den Taliban zu finden, haben die USA erste Schritte eingeleitet, der Zivilbevölkerung zu helfen. Das Finanzministerium erlaubte Banken, private Geldsendungen nach Afghanistan zu überweisen. Das bestätigte ein Sprecher. Die Entscheidung könnte die angeschlagene afghanische Wirtschaft stützen: Viele Afghanen verlassen sich auf Überweisungen aus dem Ausland, unter anderem um Lebensmittel zu kaufen.

Der Weltbank zufolge machten die Zahlungen 2020 schätzungsweise 789 Millionen Dollar aus und entsprachen etwas mehr als vier Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Finanzdienstleister Western Union und Moneygram hatten nach der faktischen Machtübernahme der radikal-islamischen Taliban am 15. August zuerst derartige Zahlungen ausgesetzt. Western Union will den Dienst nun wieder aufnehmen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2021 um 23:00 Uhr in den Nachrichten.