Vertreter der Taliban gehen einen Hotelflur in Oslo entlang. | AFP

Delegation in Oslo Geringe Erwartungen an Taliban-Gespräche

Stand: 24.01.2022 03:06 Uhr

In Oslo will die norwegische Regierung einen Dialog mit den Taliban anstoßen. Heute stehen Beratungen mit Gesandten aus den USA und Europa auf dem Plan. Schnelle Erfolge werden dabei aber nicht erwartet.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Bisher ist wenig bekannt über den Besuch der 15 Taliban-Vertreter in Oslo. Seit ihrer Ankunft am Samstagabend halten sich die Männer in einem Konferenzhotel im Norden der Stadt auf. Dort fanden auch erste Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der afghanischen Zivilgesellschaft statt, beispielsweise mit Frauenrechtlerinnen.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Kontakt zu Taliban seit Ende der 1990er-Jahre

Die Bereitschaft zu diesen Gesprächen war eine Voraussetzung für den Besuch, so die norwegische Außenministerin Anniken Huitfeldt. "Wir haben sehr strenge Forderungen", erklärte sie. "Ob die Gespräche zu einem Ergebnis führen, wissen wir nicht." Die Lage in Afghanistan mache ihr Sorge. "Ohne Dialog mit den Machthabern kann es ganz schnell gefährlich für die westliche Welt und auch für die Menschen in Afghanistan werden."

Es ist kein Zufall, dass dieses Treffen nun in Norwegen stattfindet. Bereits seit Ende der 1990er-Jahre besteht ein Kontakt zwischen dem skandinavischen Land und den Taliban. In mehreren teilweise geheimen, teilweise öffentlichen Verhandlungen hat Norwegen zwischen der radikal-islamischen Gruppierung, westlichen Staaten und bisherigen Regierungen Afghanistans vermittelt.

Proteste von Exil-Afghanen

Eine zentrale Rolle spielte dabei unter anderem der Norweger Kai Eide, ehemaliger UN-Sonderbeauftragter für Afghanistan. Er ist einer der Befürworter der Gespräche mit den Taliban. "Die Menschen in Afghanistan müssen dringend mehr Hilfe bekommen, und die Wirtschaft muss wieder in Gang kommen", sagt Eide. "Es kommt jetzt darauf an, dass wir mit unseren strengen Regeln ein bisschen Fingerspitzengefühl beweisen. Wir müssen erreichen, dass die Taliban nicht ganz außen vor sind und wir nur über sie reden. Aber wir dürfen sie nicht rechtmäßig anerkennen."

Exil-Afghanen in Norwegen sind teilweise entsetzt über die Einladung. Sie protestierten vor dem Außenministerium, denn der Dialog würde die Taliban ihrer Meinung nach stärken. "Wir wollen keine Taliban in Norwegen, sie repräsentieren uns nicht", sagen sie. "Sie stehen auf der Terrorliste der USA - warum laden wir sie ein und verhandeln mit ihnen? Wir wissen, wofür sie stehen."

Gespräche hinter verschlossenen Türen

Huitfeldt wird heute nicht persönlich an den Treffen mit der Taliban-Delegation teilnehmen. Stattdessen finden die Beratungen gemeinsam mit Sondergesandten der USA und einiger europäischer Länder hinter verschlossenen Türen statt. Auch Deutschland soll vertreten sein. Eine Pressekonferenz danach ist nicht geplant.

Wie viel die Öffentlichkeit über die Inhalte der Gespräche erfahren wird, ist noch nicht klar. Zu viele Erwartungen an das Treffen sollte man jedoch nicht haben, sagt Eide. "Es wird nicht viel verändern, aber es ist ein wichtiger Prozess. Es gibt auch innerhalb der Taliban Meinungsverschiedenheiten. Die moderaten Kräfte innerhalb der Gruppe müssen gestärkt werden." Die Taliban selbst hatten vor Abreise Hoffnung auf eine verbesserte Beziehung zum Westen geäußert.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Januar 2022 um 06:02 Uhr.