Papst Franziskus | dpa

Weltsynode der Katholischen Kirche Ein "Weiter so" soll es nicht mehr geben

Stand: 09.10.2021 17:33 Uhr

Angesichts der bevorstehenden Weltsynode der Katholischen Kirche hat Papst Franziskus zum Umdenken aufgerufen. Würde man weitermachen wie bisher, wäre das "Gift im Leben der Kirche".

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Studio Rom

Die katholische Kirche steckt in der Krise. Der Vertrauensverlust durch den Missbrauchsskandal ist gewaltig. Gleich zu Beginn der Weltsynode der katholischen Kirche stellte Papst Franziskus daher klar: Der Satz - "das haben wir schon immer so gemacht" - zählt nicht mehr als Argument.

Tilmann Kleinjung

"Dieser Satz ist Gift im Leben der Kirche: 'Wir haben es immer so gemacht und deshalb ändert man besser nichts'. Wer sich in diesem Horizont bewegt, gerät, auch ohne es zu bemerken, in den Irrtum, die Zeit nicht ernst zu nehmen, in der wir leben", sagte Franziskus bei der Eröffnungsfeier im Vatikan. "Das Risiko besteht, dass am Ende alte Lösungen für neue Probleme angewendet werden."

Gläubige weltweit werden zur Kirche befragt

Nur durch die aktive Mitarbeit aller werde die katholische Kirche in diesem Reformprozess Erfolg haben, sagte der Pontifex vor dem offiziellen Beginn des zweijährigen Projekts am Sonntag. Es gehe darum, den Gläubigen auf der ganzen Welt zuzuhören.

Zunächst sollen dafür bis April 2022 die Gläubigen über den Zustand der Kirche angehört werden. Auf dieser Basis will Franziskus 2023 bei einer Konferenz der Weltbischöfe über neue Regeln innerhalb der Kirche beraten, die dann in einem Apostolischen Schreiben verankert werden. Dieses soll ein Leitfaden sein für Reformen in der Kirche, an denen sich dann alle Gemeinden auf der Welt orientieren können.

Es gehe um ein neues Miteinander in der Kirche, sagt Gudrun Sailer von Radio Vatikan. "Kirche ist manchmal ein starrer Organismus, hier die Bischöfe, hier die Laien, alles an seinem Platz", so Sailer. "Der Papst will jetzt mit dieser Weltsynode eine Teilhabe aller Teile des Gottesvolkes erreichen, eine lebendige, eine dynamische Kirche."

Alle sollen Weltsynode mitgestalten

Und etwas hat sich schon geändert. Zu Beginn dieser Weltsynode dominieren nicht Kardinäle und Bischöfe das Bild. Die Mehrheit dieser Auftaktveranstaltung bilden Katholikinnen und Katholiken aus aller Welt.

Damit soll ein Zeichen gesetzt werden. Alle sollen diese Weltsynode mitgestalten. "Wenn nicht das ganze Volk Gottes teilnimmt, besteht das Risiko, dass die Rede von der Gemeinschaft nur eine fromme Absicht ist", so Papst Franziskus in seiner Ansprache.

"Wir können das nicht ignorieren: das Unbehagen und das Leid vieler pastoraler Mitarbeiter, der Räte in den Diözesen und Pfarreien und der Frauen, die oft noch am Rande stehen", so Franziskus weiter. Die Teilnahme aller sei für die Kirche unverzichtbar.

Deutscher Reformprozess bereits fortgeschritten

Und so kommen zum Auftakt dieser Weltsynode viele zu Wort. Zum Beispiel die Ordensschwester Donna Ciangio aus den Vereinigten Staaten, die in einer Videobotschaft sagt, dass unterschiedliche Kontinente auch unterschiedliche Bedürfnisse hätten.

Deutsche Teilnehmer traten bei dieser ersten Veranstaltung der Weltsynode nicht auf, aber sie dürften sich in dem Statement von Schwester Donna aus den USA wiederfinden. In der katholischen Kirche in Deutschland ist der Reformprozess ja schon besonders weit gediehen. Hier wird auf einem Synodalen Weg schon über Weiheämter für Frauen oder die Mitsprache der Basis bei Bischofsernennungen diskutiert und am Ende auch abgestimmt.

Keine "andere Kirche", aber eine "verschiedene"

"In Rom bestehen ja manche Vorbehalte gegen den Synodalen Weg in Deutschland", sagt Gudrun Sailer von Radio Vatikan. Jedenfalls sei die Weltsynode aus römischer Sicht weitaus breiter angelegt und deshalb ergebnisoffen. "Wie es gelingen kann, auf neue Art miteinander Kirche zu sein, da hat der Vatikan keine Vorgaben gemacht. Außer, dass es ein geistlicher Prozess sein soll", so Sailer. 

Eine Synode sei kein Parlament, keine Meinungsumfrage, sagt der Papst. Franziskus will keine "andere Kirche", aber eine "verschiedene". Und das wiederum erfordere eine Veränderung "bestimmter, von oben herab gerichteter, verzerrter und einseitiger Vorstellungen von Kirche, so Franziskus. Diese Worte des Papstes dürften die Hoffnung reformorientierter Katholiken beflügeln, dass sich im Gefüge der Kirche tatsächlich etwas ändert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Oktober 2021 um 18:00 Uhr.