Polizeiwagen stehen vor einer Synagoge in Texas. | dpa

Geiselnahme in Synagoge Festnahmen in England nach Tat in Texas

Stand: 17.01.2022 08:35 Uhr

Nach der Geiselnahme in einer Synagoge in Texas hat die britische Polizei zwei Teenager festgenommen. Ein Brite hatte am Samstag den Rabbiner und drei weitere Menschen in seine Gewalt gebracht. Der Geiselnehmer wurde getötet.

Die britische Polizei hat bei Ermittlungen zu der Geiselnahme in der Synagoge in Texas zwei Verdächtige festgenommen. Bei ihnen handele es sich um Teenager, die für ein Verhör in Gewahrsam genommen worden seien, teilte die Polizei der Region Manchester mit. Anti-Terror-Polizisten hätten sie im Süden der nordenglischen Stadt Manchester festgenommen, so die Polizei bei Twitter. Weitere Details wurden nicht bekannt.

Biden: "Terrorakt"

Die Geiselnahme in der Stadt Colleyville nahe Dallas hatte sich am Samstag ereignet. Der Täter, den die Polizei als 44-jährigen Briten identifizierte, brachte vormittags während eines Gottesdienstes in der Synagoge vier Geiseln - darunter der Rabbiner - in seine Gewalt und verschanzte sich mit ihnen. Spezialkräfte drangen nach stundenlangen Verhandlungen mit dem Mann in die Synagoge ein und brachten die Geiseln unverletzt in Sicherheit. Der Täter kam ums Leben - wie genau, das ließ die Polizei offen. US-Präsident Joe Biden und das britische Außenministerium bezeichneten die Tat als "Terrorakt".

Familie wollte ihn zum Aufgeben bewegen

In Großbritannien meldete sich ein Bruder des Geiselnehmers zu Wort. Die Familie distanziere sich von der Tat und bitte die Betroffenen um Entschuldigung, schrieb der Bruder auf der Facebook-Seite der muslimischen Gemeinde der nordenglischen Stadt Blackburn. Der Geiselnehmer sei psychisch krank gewesen. Die Zeit während der Geiselnahme habe die Familie im Polizeirevier von Blackburn verbracht. Dort sei sie im Kontakt mit dem FBI und dem Geiselnehmer gewesen, habe ihn jedoch von seiner Tat nicht abbringen können.

Pakistanerin freipressen?

US-Medien berichteten unter Berufung auf Ermittlerkreise, der Geiselnehmer habe Aafia Siddiqui, eine in Texas inhaftierte pakistanische Wissenschaftlerin, freipressen wollen. 2010 war die gebürtige Pakistanerin zu 86 Jahren Haft verurteilt worden - wegen versuchten Mordes an US-Sicherheitskräften. Siddiqui, Spitzname "Lady Kaida" sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe von Fort Worth, nur rund 20 Kilometer von der Synagoge entfernt.

Michael McCaul, republikanischer Abgeordneter aus Texas, erklärte bei CNN, er halte diese Theorie für sehr wahrscheinlich: "Das ist ein verstörender Fall, der zeigt, dass Antisemitismus leider wohlauf ist. Ich glaube, sie haben diese Synagoge gewählt, weil 'Lady Kaida' hier im Gefängnis sitzt."

Mit Informationen von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Januar 2022 um 05:00 Uhr.