Strand auf Korsika | AFP

Mittelmeer heizt sich auf Der Hotspot des Klimawandels

Stand: 17.08.2022 08:59 Uhr

Die warmen Temperaturen am Mittelmeer - für viele ein Grund, um in den Süden zu fahren. Doch das Mittelmeer heizt sich zunehmend auf. Das kann nicht nur für Unwetter sorgen, sondern das Leben im Meer insgesamt verändern.

Von Sebastian Kisters, ARD-Studio Madrid

Bis zu 30 Grad warm ist das Mittelmeer derzeit rund um die Balearen und westlich von Sardinien. Das werde stürmische Folgen haben, sagen Meteorologen. Vielerorts erreicht das Mittelmeer in diesem Sommer karibische Temperaturen. Es ist drei bis sechs Grad zu warm.

Sebastian Kisters ARD-Studio Madrid

Bei diesen tropischen Verhältnissen steigt die Gefahr für schwere Schauer und Gewitter. "Und schwer meint in diesem Fall unwetterartig mit allem, was dazu gehört - Überschwemmungen, Schlammlawinen, Stürme mit umstürzenden Bäumen", sagt Silke Hansen, Leiterin des ARD-Wetterkompetenzzentrums.

Eine Art Hurrikan im Mittelmeer

Im Herbst müsse man mit "Medicanen" rechnen, einer Art Hurrikan im Mittelmeer. Die derzeitige Wassertemperatur vereinfache die Bildung. Damit ein "Medicane" entsteht, braucht es einen Temperaturunterschied zwischen kalter Luft in der Höhe und hohen Wassertemperaturen. Da das Meer extrem warm ist, stehen die Zeichen auf Sturm.

Die Regenmengen bei derartigen Stürmen seien enorm. "Es ist bedrohlich. Ich habe mal einen 'Medicane' auf Korsika erlebt. Da fielen in 24 Stunden mehr als 400 Liter auf den Quadratmeter. Das fällt in Frankfurt am Main in acht Monaten", sagt Silke Hansen.

Auf Griechenland richtete das Mittelmeertief Numa 2017 schwere Schäden an | picture alliance / Petros Gianna

2017 wurde das Mittelmeertief Numa als Medicane eingestuft - auch in Griechenland hinterließ es schwere Schäden. Bild: picture alliance / Petros Gianna

Unwetter in Frankreich und Italien

Schon in diesen Tagen soll es Unwetter im Mittelmeerraum geben. Im Süden und Südosten Frankreichs und dem Norden Italiens wird es sehr schwere Schauer und Gewitter geben. Örtlich können mehr als 100 Liter Regen fallen.

Das warme Mittelmeer habe einen großen Anteil daran, heißt es aus dem Wetterkompetenzzentrum der ARD. Aufgrund der hohen Temperaturen verdampfe mehr Wasser. Und je mehr Wasserdampf in der Luft ist, desto mehr Energie steht Schauern und Gewittern zur Verfügung - das heißt, desto heftiger können sie werden.

Doch das ist nicht das einzige Problem, das die hohen Wassertemperaturen mit sich bringen. Das Leben im Meer verändert sich. "Arten, die an niedrigere Wassertemperaturen gewöhnt sind, sterben aus oder werden verdrängt", sagt die Meeresbiologin Inna Sokolova von der Universität Rostock. Eine um sechs Grad erhöhte Wassertemperatur, "das ist wirklich sehr, sehr viel".

Tropische Seeigel breiten sich aus

Teile der Ägäis werden gerade von Seeigeln erobert, die eigentlich im Roten Meer oder im Indischen Ozean zu Hause sind. Auch tropische Fischarten breiten sich aus.

Das alles werde Auswirkungen auf komplexe Nahrungsketten haben. Ob zu Lande oder im Wasser: Der Weltklimarat (IPCC) bezeichnet den Mittelmeerraum als "Hotspot des Klimawandels".

Nomadenqualle im Mittelmeer | AFP

Die Nomaden-Qualle war ursprünglich in tropischen Gewässern heimisch. Schon vor Jahrzehnten ist sie in das Mittelmeer eingewandert. Bild: AFP

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 22. Juni 2021 um 10:49 Uhr.