Luftaufnahme der Lagune Mar Menor vom Mittelmeer aus gesehen (Archivbild: Januar 2022) | picture alliance / Zoonar

Ökosystem in Spanien Mar Menor erhält Rechtspersönlichkeit

Stand: 22.09.2022 11:43 Uhr

Die Salzwasserlagune ist stark belastet: Fische sterben massenhaft, Wassertemperaturen steigen über 30 Grad. Jetzt hat das Mar Menor eine Rechtspersönlichkeit und einklagbare Rechte bekommen - als erstes Ökosystem in Europa.

Das Mar Menor, übersetzt "kleineres Meer" an der spanischen Mittelmeerküste hat eine eigene Rechtspersönlichkeit und einklagbare Rechte erhalten. Damit ist es das erste Ökosystem in Europa mit diesem Status.

Der Senat in Madrid hat die Vergabe der Rechtspersönlichkeit mit großer Mehrheit beschlossen, nachdem im April schon das Abgeordnetenhaus zugestimmt hatte. Nur die rechtspopulistische Partei Vox stimmte am Mittwoch wie schon im April dagegen.

Unterstützt von mehr als 640.000 Menschen

Mit dem Abschluss des Gesetzgebungsverfahren und der Veröffentlichung im Gesetzesblatt kann nun jeder Bürger, auch wenn er nicht selbst betroffen ist, die Justiz wegen einer vermuteten Verletzung von Rechten der größten Salzwasserlagune Europas anrufen. Dabei geht es um den Schutz der Lagune als Ökosystem. Ein Komitee aus sechs Vertretern der Behörden und sieben der Gesellschaft soll den Schutz, den Erhalt und die Gesundung der Lagune überwachen.

Der Beschluss geht auf ein in der spanischen Verfassung verankertes Bürgerrecht auf Auslösung eines Gesetzgebungsverfahrens zurück. Dazu müssen mindestens 500.000 Unterschriften gesammelt werden. Für die Initiative hatten mehr als 640.000 Menschen unterschrieben. Das flache Mar Menor wird seit Jahrzehnten vor allem durch intensive Landwirtschaft, aber auch Minenbetriebe und Tourismus gefährdet.

Fische massenhaft gestorben

Überdüngung fördert das Algenwachstum. Besonders bei Hitzewellen kann es durch Sauerstoffmangel zu einem Massensterben von Fischen und anderen Wassertieren kommen. Während des ungewöhnlich heißen Sommers in Spanien und weiten Teilen Europas war die Wassertemperatur im Mar Menor im August auf mehr als 31 Grad gestiegen. Umweltschützer und Fischer holten in diesem Jahr mehr als 14.000 Tonnen Biomasse aus der Lagune.

Zuletzt war das Mar Menor im August 2021 umgekippt, als nach Tagen mit Lufttemperaturen von 40 Grad fünf Tonnen toter Tiere aus dem Wasser geholt wurden. 70.000 Menschen hatten daraufhin eine 73 Kilometer lange Menschenkette rund um die Lagune gebildet. Der Umwelt eigene, einklagbare Rechte zuzuerkennen sei eine "Revolution, die dem derzeitigen Wirtschaftssystem, das den Planeten zerstört, Grenzen setzen wird", sagte die Philosophieprofessorin der Universität Murcia, Teresa Vicente, im April.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. November 2021 um 11:05 Uhr.