Demonstranten und Demonstrantinnen bilden eine mehr als 73 Kilometer lange Menschenkette am Ufer des Mar Menor während einer Aktion der Plattform ILP Mar Menor.  | dpa

Protest gegen Umweltpolitik Riesige Menschenkette um das Mar Menor

Stand: 28.08.2021 20:56 Uhr

Im Südosten Spaniens steht Europas größte Salzwasserlagune vor dem Kollaps: Tonnenweise werden tote Fische an die Strände des Mar Menor gespült. Nun haben 70.000 Menschen gegen die Umweltpolitik protestiert.

Aus Protest gegen eine der schlimmsten Umwelttragödien der vergangenen Jahre in Spanien haben 70.000 Menschen Europas größte Salzwasserlagune symbolisch umarmt. Sie bildeten eine Menschenkette um das komplette Mar Menor herum, ganze 73 Kilometer, berichteten spanische Medien.

Die Teilnehmer trugen schwarze T-Shirts, um ihre Trauer über die Umweltzerstörung auszudrücken. Sie forderten die Politik auf, etwas gegen die Situation zu tun. Es wurde auch eine Schweigeminute für die Tausenden von Tieren abgehalten, die der Verschmutzung des Wassers zum Opfer fielen. Aufgerufen zu der Aktion hatte ein Bündnis aus Naturschutzgruppen und Anwohnern.

Fünf Tonnen tote Lagunenbewohner

Innerhalb der vergangenen Woche waren rund fünf Tonnen tote Fische und Krustentiere an die Strände des Mar Menor, des "Kleinen Meeres", in der Region Murcia im Südosten von Spanien, geschwemmt worden. Es war nicht der erste schlimme Zwischenfall im einstigen Natur- und Urlaubsparadies. Vor knapp zwei Jahren waren zum Beispiel bereits circa drei Tonnen toter Lagunenbewohner - vor allem kleine Fische und Krebse - angespült worden.

Ursache für das Massensterben der Fische ist die sogenannte Eutrophierung. Sie wird durch menschliche Aktivitäten verursacht. Durch die industrielle Landwirtschaft in der Region gelange immer wieder düngehaltiger Schlamm in die Lagune, beklagen Umweltschützer. Nitrate und Phosphate sorgten dafür, dass sich Algen massiv ausbreiteten und anderen Pflanzenarten, Fischen und Kleinlebewesen den Sauerstoff nähmen.

Hohe Temperaturen beschleunigen die Eutrophierung. Vor einigen Tagen erst stiegen sie in der Region Murcia auf über 40 Grad. Dadurch wird das Wasser im Mar Menor wärmer und der Sauerstoffgehalt nimmt noch weiter ab.

Regierung beschloss Auflagen

Das Mar Menor galt einst als eines der schönsten Gebiete Spaniens. Heute ist dort meistens nur eine "grüne Suppe" zu sehen, die einen faulen Gestank verströmt. Die konservative Regionalregierung und die linke Zentralregierung geben sich gegenseitig die Schuld.

Umweltschützer stellen in erster Linie die Verantwortlichen in Murcia an den Pranger. Die Regionalregierung unternehme nichts gegen die intensive Landwirtschaft in unmittelbarer Nähe der Lagune, die die Hauptschuld an den Problemen trage. Unter dem Eindruck der Katastrophe und der Proteste beschloss die Regionalregierung diese Woche einige Umweltauflagen für das Gebiet, die Umweltschützer jedoch als ungenügend zurückwiesen.

Mit Informationen von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. August 2021 um 18:33 Uhr.