Autos sind mit Asche eines Vulkans auf La Palma bedeckt. | dpa

Vulkanausbruch auf La Palma Lavahölle im Urlaubsparadies

Stand: 27.09.2021 12:13 Uhr

Hunderte Häuser im Südwesten La Palmas sind bereits von Lava verschluckt worden. Auch Urlaubsgebiete sind betroffen. Doch es gibt Anlass zur Hoffnung: Der Vulkan ist plötzlich verstummt.

Von Reinhard Spiegelhauer, ARD-Studio Madrid

Vulkanasche - sie knirscht bei jedem Schritt. Vor einer Woche, direkt nach dem ersten Ausbruch, kam sie vor allem im direkten Umkreis der aktiven Schlote runter. Heute liegt die Asche auch zentimeterhoch knapp zehn Kilometer weiter in der Inselhauptstadt und auf der Piste des Flughafens.

Reinhard Spiegelhauer ARD-Studio Madrid

Viele tragen nun auch FFP2-Masken wegen der Vulkanasche. Ein Problem mit giftigen Schwefelgasen gebe es aber bisher nicht, so der Chef des Zivilschutzes, Miguel Angel Morcuende.

Und es besteht Anlass zu vorsichtiger Hoffnung: Denn seit dem Vormittag ist der Vulkan plötzlich verstummt - kein Fauchen, keine Explosionen mehr. Ob es sich nur nur um eine Unterbrechung des Ausbruchs handelt, wagen Vulkanologen noch nicht zu beurteilen.

An- und Abreise nur auf dem Wasserweg

Die zentimeterhohe Aschedecke auf der Flughafen-Piste von La Palma war eine Gefahr für die Triebwerke von Flugzeugen. Deswegen musste der Flughafen am Samstag geschlossen werden. An- und abreisende Touristen müssen seitdem eine Überfahrt mit der Fähre von oder nach Teneriffa einplanen.

So hat es auch eine Urlauberin vom spanischen Festland erlebt, deren Flug nach Madrid gestrichen wurde. Sie berichtet von einem Tag Zwangsaufenthalt auf Teneriffa, denn von dort ging erst am nächsten Tag ein Flug in die Hauptstadt.

Gefahr für Flieger durch Aschewolke

Der Luftraum über La Palma ist zwar trotz Aschewolke weiter geöffnet und Räummannschaften haben die Piste des Flughafens gesäubert. Doch den Fluggesellschaften sei das Risiko zu hoch, berichtete das spanische Staatsfernsehen am Sonntagnachmittag.

Alle Flüge am Sonntag - mehr als 60 insgesamt - wurden gestrichen. Die Urlaubsreise nach La Palma ist also auf jeden Fall beschwerlicher geworden.

Aber sie lohne sich, sagte Tourismusministerin Reyes Maroto vergangene Woche im Radiosender "Cadena Ser". Wer in einem betroffenen Hotel gebucht habe, werde woanders untergebracht - und das Naturspektakel sei ja geradezu eine Werbung.

Feuerwehrleute säubern den Flughafen von Asche nach einem Vulkanausbruch auf der spanischen Insel La Palma. | REUTERS

Feuerwehrleute säubern den Flughafen von Asche Bild: REUTERS

Viele Touristenunterkünfte betroffen

Das fanden viele auf der Insel nicht besonders lustig, nicht nur diejenigen, deren Häuser unter der Lava begraben sind. So standen im betroffenen Aridanetal auch viele Touristenapartments. Zum Beispiel die vier geschmackvoll hergerichteten Häuschen von Sandra und Jakob, die nicht einmal einen Kilometer vom Vulkankegel entfernt standen.

"Als wir das Grundstück gefunden haben, haben wir uns einfach in die Augen gesehen und gewusst: das ist unser Zuhause", erzählt Sandra. "Eigentlich habe ich gedacht, das ist auch der Ort, wo ich eines Tages mal sterben werde. Und wir haben alles hineingesteckt. Es war einfach unser Baby. Die Gäste haben mir so viel zurückgegeben, also jeder einzelne Gast, der bis jetzt bei uns war, hat mich angeschrieben und Anteil genommen. Ich kann es nicht glauben."

Sandra und Jakob sind versichert, aber wer weiß, wieviel sie wirklich ersetzt bekommen? Und Herzblut kann keine Versicherung ersetzen. Ob, wie und wo sie ein neues Projekt anfangen, wissen die beiden noch nicht.

So wie Ihnen geht es vielen Nachbarn. Zu den persönlichen Schicksalen kommt ein Problem für die Wirtschaft der Insel: Wenn letztendlich bis zu 2000 Häuser unter der Lava begraben sein werden, fehlen der Insel auch viele Unterkünfte für Touristen, die Geld auf die Insel bringen.

Karte mit La Palma und dem Vulkan Cumbre Vieja

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. September 2021 um 12:05 Uhr.