Isabel Diaz Ayuso (oben, 3.v.l.) winkt Anhängern vor dem Hauptquartier der PP in Madrid zu.  | dpa

Regionalwahlen Konservative feiern Wahlsieg in Madrid

Stand: 05.05.2021 03:01 Uhr

Es ist zwar "nur" eine Regionalwahl, aber das ganze Land blickt auf sie: In der spanischen Region Madrid haben die Menschen ein neues Parlament gewählt. Gewonnen hat die konservative Volkspartei PP.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Alex stößt auf das Wahlergebnis an. Mit einer Bierflasche, die er vom Wahlkampf-Team der konservativen Volkspartei in die Hand gedrückt bekommen hat. Auf dem Etikett ist ein Foto von Isabel Ayuso abgedruckt, darüber der Schriftzug "La caña de España", "Das Bier für Spanien". Endzwanziger Alex hält die Politikerin für die verdiente Gewinnerin.

Sie hat Ausstrahlung, ist intelligent, gut ausgebildet und bringt alles mit für die Aufgabe. Und wer weiß? Vielleicht wird sie irgendwann die erste Ministerpräsidentin des Landes.
Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Ein Szenario, das viele Beobachter ins Spiel bringen, dass es die Konservative Isabel Ayuso mit ihrer liberalen Wirtschaftspolitik auch bald an die Spitze der spanischen Zentralregierung schaffen könnte.

Blick in Richtung nationaler Regierung

Am Abend feiert sie erst einmal ihren Erfolg auf regionaler Ebene: Ihre Partei PP kommt in Madrid auf rund 45 Prozent der Stimmen und holt damit mehr als doppelt so viele Sitze im Regionalparlament wie bisher. Und dann wagt Ayuso doch den Blick in Richtung nationaler Regierung.

Von Madrid aus, dem Kilometer 0, werden wir den spanischen Stolz zurückholen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Leistungskultur. Und vor allem die Freiheit, die Spanien braucht. Von heute an gehen wir das!

Die 42-jährige Isabel Ayuso scheint auf dem vorläufigen Höhepunkt ihrer Politikerinnenkarriere angelangt zu sein. Seit rund 15 Jahren engagiert sie sich in der konservativen Volkspartei PP. Zunächst war Ayuso für Online-Kampagnen zuständig, seit 2011 sitzt sie im Madrider Regionalparlament und führt seit gut anderthalb Jahren die Regierung an.

Gegenspielerin von Ministerpräsident Pedro Sánchez

Die Corona-Pandemie hat Ayuso zur Gegenspielerin von Ministerpräsident Pedro Sánchez gemacht: Sie will es nicht hinnehmen, dass die Zentralregierung im Kampf gegen das Virus das öffentliche Leben einschränkt. In Madrid sind daher Geschäfte und Restaurants seit Monaten geöffnet - anders als im Rest Spaniens.

Hohe Corona-Fallzahlen nimmt die Regionalpräsidentin dafür in Kauf. Die Presse nannte Ayuso schon die "Heldin der Gastronomen, Unternehmer und des Party-Volks". Genau von ihnen sei bei dieser Wahl die meiste Unterstützung gekommen, meint Wähler Mateo.

Viele haben sie sich gedacht:'Sie hat das Gastgewerbe gerettet, also wählen wir sie!' Das ist doch alles Populismus. Aber auch das gehört zu einer Demokratie dazu.

Mateo hat bei dieser Wahl einer der linken Parteien seine Stimme gegeben, erzählt er. Sozialisten und zwei linksalternative Kräfte wollten den Siegeszug Ayusos aufhalten. Die Linkspartei Podemos schickte ihr prominentestes Gesicht ins Rennen: Parteigründer und -chef Pablo Iglesias. Er hatte für diese Kandidatur sogar auf seinen Posten als Vize-Regierungschef in der Zentralregierung verzichtet.

Podemos-Chef gibt Ämter auf

Iglesias holte schließlich nur sieben Prozent der Stimmen und verkündete noch am Abend:

Ich gebe alle meine Ämter auf. Ich ziehe mich aus der Parteipolitik zurück. Ich werde mich weiter für mein Land engagieren, will aber nicht im Wege stehen, wenn es um die Neuaufstellung der Führungsköpfe unserer Partei geht.

Die linksalternative Partei Más Madrid feiert dagegen einen großen Erfolg: Sie holt knapp 17 Prozent der Stimmen und liegt damit knapp vor den Sozialisten. Die rechts-liberale Kraft Ciudadanos schafft es nicht mehr ins Regionalparlament, sie hatte zuletzt zusammen mit den Konservativen regiert. Ein Streit zwischen den Parteien hatte diese Wahl erst nötig gemacht.

Eine entscheidende Rolle dürfte nun die Rechtsaußen-Partei Vox spielen: Sie erreicht neun Prozent und könnte der Regierungspartner von Isabel Ayuso werden. Denn auf die absolute Mehrheit an Parlamentssitzen kommt ihre konservative Volkspartei nicht. Ayuso hat schon signalisiert, keine Berührungsängste zu haben und mit Vox zusammenzuarbeiten. Es wäre eine Premiere in Madrid.

Dieser Beitrag lief am 05. Mai 2021 um 05:17 Uhr im Deutschlandfunk.