Ein Strand in Mazarron, Murcia, Spanien | MARCIAL GUILLEN/EPA-EFE/Shutters

Urlaub in Corona-Zeiten Spanien wirbt um Sommertouristen

Stand: 20.05.2021 10:44 Uhr

Die Pandemie hat Spaniens Tourismus in eine schwere Krise gestürzt. Hoteliers hoffen nun auf den Sommer - und den Impffortschritt in der EU. Auf der Tourismusmesse "Fitur" in Madrid erzählen Branchenvertreter von Konzepten und Ängsten.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Kike Sarasola ist angespannt. Der Chef der spanischen Boutique-Hotelkette Room Mate freut sich einerseits über steigende Buchungszahlen und erwartet, dass seine 28 Häuser im Sommer zur Hälfte ausgelastet sein werden. Andererseits sieht er noch einige Probleme, zum Beispiel das Hin und Her um den EU-weiten Corona-Impfausweis. Bis Ende Juni soll er kommen, doch das sei für die Tourismusbranche zu spät, meint Sarasola.

Die Politik muss verstehen, dass wir jetzt diesen Pass brauchen. Wir können nicht noch Wochen warten, uns läuft die Zeit weg. Die Saison ist schon angelaufen und den Urlaubern muss es möglichst leicht gemacht werden, zu verreisen.
Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

Kein Corona-Test nach erster Impfung

Auch die Balearen mit ihrer Hauptinsel Mallorca setzen sich für den Corona-Impfpass ein. Aber schon jetzt verspricht die Regionalregierung Erleichterungen für Geimpfte - auch ohne Extra-Ausweis. Zunächst aber nur für Gäste aus Spanien selbst: Wer mindestens 15 Tage vor seiner Reise auf eine der Inseln seine erste Impfdosis bekommen hat, muss keinen Corona-Test mehr vorlegen. Das gilt auch für Spanier, die aus einer Region mit besonders niedrigen Corona-Zahlen kommen. Balearen-Präsidentin Francina Armengol würde diesen Vorteil gerne auch Urlaubern aus anderen Ländern anbieten, aber:

Den internationalen Tourismus regulieren nicht wir, dafür ist die spanische Zentralregierung zuständig.

Und die Zentralregierung verlangt immer noch von jedem Gast, der aus dem Ausland einreist, einen negativen PCR-Corona-Test, der höchstens 72 Stunden alt sein darf. Trotzdem: Mallorca-Touristen hält das kaum von einer Reise ab. Die Insel füllt sich langsam, aber stetig. Etwa ein Fünftel der gut 800 Hotels sind wieder geöffnet, von Woche zu Woche werden es mehr.

Urlauber am Strand von El Arenal auf Mallorca | CATI CLADERA/EPA-EFE/Shutterstoc

Die Regionalregierung der Balearen bietet spanischen Touristen bereits Erleichterungen nach der 1. Impfung. Bild: CATI CLADERA/EPA-EFE/Shutterstoc

Schlechte Karten für Partytouristen

Doch wer auf den typischen Partytourismus auf Mallorca aus ist, wird in diesem Sommer enttäuscht. Die Corona-Auflagen ließen das nicht zu, sagt die Inselpräsidentin im Interview mit dem ARD-Studio Madrid. Doch sie kündigt an, dass die Einschränkungen für Bars und Lokale Schritt für Schritt gelockert werden.

Ich war vor einer Woche in Berlin, da ist definitiv mehr geschlossen als auf den Balearen. Die Außengastronomie bei uns darf bis 22.30 Uhr öffnen. Natürlich wollen wir Touristen, die Freizeitspaß bei uns haben. Vor Corona ging das oft in Richtung Partyexzesse. Das geht nun nicht mehr. Es passt nicht mit einer Pandemie zusammen, in der wir gerade leben.

Anlocken will die Balearen-Regierung Urlauber mit einer kostenlosen Corona-Versicherung für die Sommerferien. Muss der Rückflug wegen einer Infektion verlegt werden, übernimmt die Kosten diese Versicherung. Ebenso die Unterbringung in einem der Quarantäne-Hotels, von denen es auf jeder Balearen-Insel eins gibt. Balearen-Präsidentin Armengol spricht von einem "Safety Pack" für Touristen:

Die Corona-Lage ist sehr entspannt auf den Inseln. Wir haben aktuell eine Sieben-Tage-Inzidenz von 17. Es ist also sehr schwierig, sich bei uns anzustecken.

Kanaren setzen auf die Deutschen

Die Kanaren werben seit dem vergangenen Sommer schon mit einem Versicherungspaket um Gäste. Der Vertrag zwischen der Regierung und einem Versicherungskonzern laufe in diesem August aus, solle aber verlängert werden, heißt es von der staatlichen Tourismusagentur Promotur. Die Kanaren setzten diesen Sommer verstärkt auf den deutschen Markt, sagt der Chef der Inselregierung, Angel Victor Torres. Denn Deutschland hat vor wenigen Tagen erst seine Reisewarnung für die Inselgruppe aufgehoben.

Das war eine der besten Nachrichten, die wir seit langem bekommen haben. Dass die deutsche Regierung die Kanaren als sicheres Ziel einstuft. Denn der deutsche Markt ist elementar wichtig für uns, auch um uns wirtschaftlich zu erholen vom Corona-Schock.

Dass die Kanarischen Inseln nicht mehr auf der Liste der Risikogebiete stehen, hat für Touristen aber keine praktischen Auswirkungen. Seit gut einer Woche gilt nämlich keine Quarantänepflicht mehr für Reiserückkehrer aus Risikogebieten - ein negativer Corona-Test reicht aus für die Einreise.

Ärger über Regel-Wirrwarr

Hotelier Kike Sarasola steigt bei den vielen verschiedenen Regeln, die europäische Länder für die Ein- und Ausreise haben, nicht mehr durch. Um den Tourismus wieder anzukurbeln, müssten einheitliche Vorgaben her, sagt er.

Dieses Wirrwarr versteht doch kein Urlauber. Und das ist schlecht. Es zeigt, dass die Politik ihre Arbeit nicht macht. Sie muss die Bedingungen dafür schaffen, dass eine Urlaubsreise ein Erlebnis ist. Dass die Gäste wiederkommen und einfach glücklich sind. Und dass die Reise nicht durch den Verwaltungskram zu einem Albtraum wird.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. Mai 2021 um 05:38 Uhr.