Frauen halten bei einer Demonstration in Frankreich ihre abgeschnittenen Haare in der Hand. | AP

Solidarität mit Protesten im Iran Haarsträhnen für die Freiheit

Stand: 05.10.2022 12:32 Uhr

Mit dem Abschneiden ihrer Haare wollen Kulturschaffende in Frankreich die Protestierenden im Iran unterstützen. Auch in Deutschland sprachen mehr als 600 Kulturschaffende den Protestierenden in einem offenen Brief ihre Solidarität aus.

Aus Solidarität mit den gegen Repressionen demonstrierenden Frauen und Mädchen im Iran haben sich mehr als 50 französische Schauspielerinnen und andere Prominente Haarsträhnen abgeschnitten. "Für die Freiheit", sagt die Schauspielerin Juliette Binoche am Anfang eines gut zwei Minuten langen Videos, das sich am Mittwoch im Internet verbreitete. Dann fasst sie ihre Haare mit einer Hand zusammen und schneidet sich vor der Kamera etwa 15 Zentimeter ihres Zopfes ab.

Aktion für die Freiheit der Frauen im Iran

Auch die Schauspielerinnen Isabelle Adjani, Marion Cotillard, Charlotte Gainsbourg und Isabelle Huppert greifen in dem Video zur Schere und schneiden mehr oder weniger lange Strähnen ihrer Haare ab. Ebenso sind die Sängerinnen Jane Birkin und Angèle zu sehen. Laut Abspann hat der französische Anwalt Richard Sedillot die Aktion initiiert.

In Zwischentexten wird die Geschichte der 22-jährigen Mahsa Amini erzählt, die am 13. September in Teheran von der Sittenpolizei festgenommen worden war und drei Tage später starb. Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich "unislamischen Outfits" festgenommen. Was genau mit Amini danach geschah, ist unklar. Die Frau war ins Koma gefallen und am 16. September in einem Krankenhaus gestorben.

Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben. Die Polizei weist die Vorwürfe entschieden zurück. "Ihr wurde lediglich vorgeworfen, das Kopftuch nicht korrekt getragen zu haben", heißt es in dem Video der Französinnen: "Sie starb, weil sie ein paar Haarsträhnen sehen ließ."

Offener Brief von Kulturschaffenden

In Deutschland haben mehr als 600 Kulturschaffende den Protestierenden im Iran Unterstützung mit einem offenen Brief ausgesprochen. Zu den Unterzeichnerinnen gehört die Schauspielerin Iris Berben, die Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und die Autorin Carolin Emcke.

Im Brief heißt es: "Der Ruf nach einer feministischen Revolution im Iran ist laut und deutlich. Wir sehen euren couragierten Widerstand, wir hören eure entschlossenen Stimmen. Wir bewundern euren Mut und euren Widerstand". Der Brief richte sich nicht wie bei ähnlichen Formaten üblich an die Bundesregierung oder internationale politische Institutionen, sondern an die Protestierenden selbst, erklärten die Initiatorinnen in einer Pressemitteilung.

Aufmerksamkeit als "Schutzschild"

"Diese Bewegung geht von den Menschen aus, dezentral und feministisch. Deshalb war es uns wichtig, uns direkt an sie zu richten. Ihnen gilt die Solidarität, weil sie nichts haben als ihre Körper und ihre Stimmen", erklärte die in Berlin lebende Autorin und Mitinitiatorin Asal Dardan.

Die demonstrierenden und streikenden Menschen im Iran bräuchten jetzt internationale Solidarität und mediale Aufmerksamkeit, sagte die Autorin Sanaz Azimipour. Sie hatte am Wochenende eine Demonstration mit mehreren Tausend Menschen organisiert. Die Menschen im Iran bräuchten laut Azimipour vor allem politische Unterstützung, damit ihre Stimmen gehört werden: "Sie haben sehr konkrete Anliegen. Aufmerksamkeit ist ihr Schutzschild".

Im Iran gehen Sicherheitskräfte derzeit massiv gegen Demonstrantinnen und Demonstranten vor, es gab zuletzt viele Tote. Seit dem Tod von Amini demonstrieren im Iran landesweit Tausende Menschen gegen den repressiven Kurs der Regierung und der Sicherheitskräfte sowie das islamische System.