Das Logo der Wagner-Gruppe | IMAGO/SNA

Krieg gegen die Ukraine Wagner-Söldner beantragt Asyl in Norwegen

Stand: 16.01.2023 19:49 Uhr

Ein mutmaßliches Ex-Mitglied der russischen Söldnertruppe Wagner hat in Norwegen Asyl beantragt. Wie sein Anwalt mitteilte, floh der Mann Ende der vergangenen Woche über die Grenze. Er will offenbar über seine Erfahrungen bei der Gruppe sprechen.

Ein mutmaßlicher Deserteur der russischen Söldnertruppe Wagner ist über die Grenze nach Norwegen geflohen und sucht dort Asyl. Der 26-jährige Andrej Medwedjew sei Ende der vergangenen Woche in Nordnorwegen über die Grenze gekommen, teilte sein Anwalt mit. Bei Medwedjew dürfte es sich um einen ehemaligen ranghohen Funktionär der Wagner-Gruppe handeln.

Die norwegische Einwanderungsbehörde UDI bestätigte der Nachrichtenagentur AP, dass Medwedjew einen Asylantrag gestellt habe. Weitere Einzelheiten wollte sie nicht nennen. Ein Polizeisprecher sagte, ein Mann sei in der Nacht zum Freitag wegen illegalen Grenzübertritts festgenommen worden und habe Asyl beantragt.

Offenbar Zeuge von Hinrichtungen und Bestrafungen

Medwedejws Anwalt Brynjulf Risnes sagte der Nachrichtenagentur AFP, nach dem Überqueren der Grenze habe der junge Mann sich an Anwohner gewandt und sie gebeten, die Polizei zu rufen. Er sei nun an einem "sicheren Ort", während sein Fall geprüft werde.

Medwedjew wolle nach eigenen Worten "mit Leuten, die zu Kriegsverbrechen ermitteln, über seine Erfahrungen bei der Gruppe Wagner sprechen". Der 26-Jährige habe angegeben, bei der Söldnertruppe eine Einheit von fünf bis zehn Soldaten angeführt zu haben.

Laut der Menschenrechtsorganisation Gulagu.net hatte sich Medwedjew im Juli 2022 zunächst für vier Monate verpflichtet und wurde zum Kampfeinsatz in die Ukraine geschickt. Bei der Söldnertruppe sei er Zeuge von Hinrichtungen und Bestrafungen von Söldnern geworden, die den Kampf verweigerten oder die Truppe verlassen wollten.

Vertrag ohne Zustimmung verlängert

Nach den Worten seines Anwalts wurde Medwedjews Vertrag mit Wagner ohne seine Zustimmung verlängert. "Ihm wurde klar, dass es keinen einfachen Weg raus gibt, also hat er beschlossen, davonzulaufen", sagte Risnes.

Die Kämpfer der Gruppe Wagner sind derzeit im russischen Angriffskrieg in der Ukraine im Einsatz. Vor dem Ukraine-Krieg wurden Wagner-Söldner bereits in Syrien, Libyen, Mali und der Zentralafrikanischen Republik gesichtet.