Skifahrer warten im Skigebiet um Ischgl bei der Gondel, wo Schilder auf die Corona-Regelungen hinweisen. | picture alliance/dpa/APA

Skisaison in Österreich "Die Leute wollen raus, wollen Urlaub"

Stand: 27.12.2021 11:03 Uhr

Unter strengen Auflagen läuft Österreichs zweite Skisaison in der Pandemie an. Wirte und Liftbetreiber hoffen auf Gäste - von denen haben sich aber viele auf Shopping statt Après-Ski verlegt.

Von Silke Hahne, ARD-Studio Wien

Der Skitag auf der Schafalm über Schladming neigt sich dem Ende zu, die Hütte ist gut besucht zu dieser Tageszeit. Hüttenwirt Heinz Schütte ist halbwegs zufrieden: Gäste seien da, und sie seien auch durchaus konsumfreudig, sagt er. "Es sind manche Gruppen nicht da, die normalerweise zum Skifahren und Lustigsein und Feiern und Après-Ski machen kommen möchten. Das fehlt uns. Aber es ist unterm Strich jetzt im Anlaufen. Es passt."

Früher haben sie hier am Wochenende Après-Ski-Partys gefeiert. Heute kontrollieren sie 2G-Nachweise, die landesweit in der Gastronomie verlangt werden. Das Obergeschoss der Schafalm bleibt derzeit zu. Nicht nur Gäste bleiben wegen Corona weg: "Uns fehlen ungefähr 20, 25 Mitarbeiter", sagt Schütte. "Wir können ein Drittel des Betriebes nicht mehr offenhalten, weil die Mitarbeiter nicht mehr kommen, weil sie nicht die Gewissheit haben, dass sie den Arbeitsplatz für das ganze Jahr haben."

 

Bis zu drei Impfungen plus Test

Die Skilifte hatten zwar auch im vergangenen Lockdown geöffnet. Hotels und Gastronomie im steirischen Schladming durften aber erst am 17. Dezember wieder aufmachen - später als in anderen österreichischen Bundesländern, die bei Skitouristen beliebt sind, aber immerhin pünktlich vor den Weihnachtsferien in vielen Ländern. 

Für die Ferienzeit rechnet Georg Bliem von der Seilbahnwirtschaft in Schladming mit 70 Prozent Auslastung der Gastwirtschaft. Wie die Saison nach der ersten Januarwoche weitergeht, dazu wagt er keine Prognose. "Wir haben gelernt, flexibel zu sein", sagt er. "Natürlich ist das wirtschaftlich eine große Herausforderung, keine Frage, auch für ein großes Bergbahn-Unternehmen wie die Planai." Nicht zuletzt gelte es bei 430 Mitarbeitern rasch umzudisponieren, wenn Veränderungen aufträten.

Veränderungen wie neue Einreiseregeln. Seit dem 20. Dezember brauchen etwa Touristen aus Deutschland entweder eine Booster-Impfung oder eine doppelte Impfung plus PCR-Test für die Einreise nach Österreich. Für Niederländer, Dänen, Norweger und Briten gilt sogar: Drei Impfungen plus PCR-Test sind nötig. Sonst stehen Quarantänen an, die den Urlaub quasi unmöglich machen. 

Viele Gäste aus Deutschland

Zwar ist Schladming weniger abhängig von ausländischen Gästen als Skiregionen etwa in Tirol, sagt Mathias Schattleitner vom örtlichen Tourismusverband - aber 60 Prozent der Gäste kämen aus dem Ausland, unter ihnen mehr als ein Drittel aus Deutschland.

Zuletzt gab es für die Touristiker gute Nachrichten aus Deutschland: Das Robert-Koch-Institut strich Österreich von der Liste der Hochrisikoländer. Damit müssen beispielsweise ungeimpfte Kinder nach ihrer Rückkehr aus Österreich nicht mehr in Quarantäne. In Österreich selbst müssen ungeimpfte Kinder zwischen 12 und 15 Jahren aber weiterhin drei Tests pro Woche nachweisen, für Erwachsene gilt quasi überall 2G. Die Kontrolle auf der Piste läuft über den Skipass: Der Zugang zum Lift funktioniert nur, wenn der entsprechende 2G- oder Testnachweis hinterlegt wurde - entweder online oder am Ticketschalter. In den Gondeln gilt außerdem FFP2-Maskenpflicht.

Mathias Schattleitner hofft, dass die nun erprobten Konzepte zumindest einen Teil des Gastgewerbes über mögliche weitere Pandemie-Jahre tragen: "In der Region Schladming-Dachstein hängen 80 Prozent der gesamten Wertschöpfung vom Tourismus ab. Zwei Drittel aller Arbeitsplätze hängen am Tourismus", sagt er. Etwa zwei Drittel der Einnahmen mache die Region im Winter - "und wenn man weiß, dass der Winter letztes Jahr ausgefallen ist und dieses Jahr wieder etwas kränkelt, dann kann man hochrechnen, dass das auf Dauer nicht gutgehen wird." Dafür, dass Bereiche, die kaum corona-sicher zu machen sind, ausfallen müssen - etwa Après-Ski - , zeigt Schattleitner aber Verständnis.

Skitouristen auf der Dorfstraße in Ischgl. | picture alliance / EXPA / APA /

Von Superspreader-Spuk keine Spur mehr: Die Innenstadt von Ischgl. Bild: picture alliance / EXPA / APA /

 Ein "Ruck" in den Geschäften

Zum aktuellen Zeitpunkt sorgen die Regeln bei vielen Gästen trotz Omikron für ein Gefühl der Sicherheit. Ihr Geld geben die Gäste derweil statt für Après-Ski für neue Ausrüstung aus: Derzeit kauften die Kunden fast so viel wie zuletzt 2019, sagt der Geschäftsleiter dreier örtlicher Sportgeschäfte, Stefan Eckel. "Wo die Türen aufgegangen sind, wo die Gastronomie auch aufgesperrt hat, hat es bei uns einen riesengroßen Ruck gemacht. Die Leute wollen raus, die Leute wollen in den Urlaub und das merkt man natürlich auch bei uns im Geschäft."

Gäste, Hoteliers, Geschäftstreibende - alle nehmen mit, was geht und scheinen froh, dass Ski-Urlaub in Österreich in diesem Jahr überhaupt möglich ist. Auch Hüttenwirt Heinz Schütte: "Wir wollen den ganzen Winter offenhalten, uns an die Regeln halten, die Gäste kontrollieren und das Beste schauen", sagt er.

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Dezember 2021 um 05:20 Uhr.