Eine überschwemmte Straße in Catania, Sizilien. | AFP

Unwetter im Mittelmeerraum Italien bereitet sich auf einen Medicane vor

Stand: 27.10.2021 12:40 Uhr

Überschwemmungen, Erdrutsche und ein Todesopfer: Starke Unwetter haben auf Sizilien bereits gewaltige Schäden hinterlassen. Und nun wächst in Italien auch noch die Furcht vor einem heftigen Wirbelsturm.

Von Elisabeth Pongratz, ARD-Studio Rom

Über Nacht hat es in der sizilianischen Hafenstadt Catania zwar wenig geregnet, doch die Verantwortlichen bereiten sich auf schlimmeres Wetter vor. Die Furcht vor einem sogenannten Medicane, einem Wirbelsturm im Mittelmeerraum, ist groß. Der Leiter des italienischen Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, machte sich am Vormittag vor Ort ein Bild der Lage. Er rief die Bürger zur Wachsamkeit auf, möglicherweise stünden der Gegend schwierige Zeiten bevor.

Elisabeth Pongratz ARD-Studio Rom

Zwischen Sizilien und Malta formiert sich der Sturm, der ab morgen tropische Züge annehmen könnte. Bereits gestern waren heftige Unwetter über Sizilien niedergegangen, die zu zahlreichen Überschwemmungen führten. In Catania starb ein Mann, als er mit seinem Auto offenbar steckenblieb, ausstieg und dann von den Wassermassen mitgerissen wurde. Die Rettungskräfte fanden ihn leblos unter seinem Wagen.

Strom ausgefallen, Geschäfte geschlossen

Fast 200 Notrufe gingen bei der örtlichen Feuerwehr ein, vor allem wegen überfluteter Häuser und Keller und um Hindernisse von der Straße zu räumen. Auch halfen die Retter immer wieder Autofahrern, die mit ihren Autos auf Straßen eingeklemmt wurden, die wegen der Fluten plötzlich zu reißenden Flüssen geworden waren. 

Es kam zu Erdrutschen, teilweise fiel der Strom aus. Aus Sicherheitsgründen ließ der Bürgermeister von Catania die meisten Geschäfte schließen. Am Vormittag telefonierte der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella mit dem Bürgermeister, dabei drückte er die Solidarität und die Nähe des italienischen Volkes zu der Stadt Catania aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Lieschen Müller 27.10.2021 • 19:21 Uhr

15:35 von harpdart

> Hat mit der zunehmendem Erwärmung des Mittelmeers nichts zu tun. > Oder? Doch hat es. Wie die anderen tropischen Wirbelstürme bezieht ein Medicane seine Energie aus der Feuchtigkeit, die aus der aufsteigenden Luft kondensiert und dabei latente Wärme abgibt (--> Stichwort "Feuchtekonvektion"). Je wärmer das Wasser ist, desto besser verdunstet es. Also begünstigt eine hohe Temperatur der Mittelmeeroberfläche die Enstehung von konvektiven Systemen, und damit auch Medicanes. Aktuell hat es im fraglichen Bereich um die 24 Grad (DWD-Karte Wassertemperatur von heute, 02 Uhr), in der Literatur werden "Starttemperaturen" für Hurricanes ab 26 Grad genannt. Für eine klassische Hurricaneentwicklung reicht das noch nicht aus; wenn jedoch Höhenkaltluft die Labilität vergrößert, verstärken sich die konvektiven Umlagerungen.