Ein Mann verneigt sich zum Gedenken an die Opfer nach der Massenpanik in Seoul | dpa

Mehr als 150 Tote in Seoul Polizeichef räumt Fehler bei Halloween-Panik ein

Stand: 01.11.2022 08:46 Uhr

Nach der Massenpanik in Seoul mit mehr als 150 Toten sitzt der Schock tief, die Suche nach den Ursachen läuft. Der Polizeichef hat nun Fehler eingeräumt: Mit Hinweisen auf eine "große Menschenmenge" sei "unzureichend" umgegangen worden.

Nach der Massenpanik in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul mit mehr als 150 Toten hat der nationale Polizeichef des Landes erhebliche Fehler eingeräumt. Beamte hätten am Samstag früh eingehende Notrufe über das sich anbahnende Desaster nicht effektiv behandelt, sagte Polizeichef Yoon Hee Keun, der Generalkommissar der Koreanischen Nationalen Polizeibehörde.

Die Polizei habe bereits vor dem Unglück bei Halloween-Feiern im wegen seines Nachtlebens beliebten Itaewon-Viertel von einer "großen Menschenmenge" erfahren, was ein "dringender Hinweis auf Gefahr" gewesen sei, sagte der Polizeichef.

"Ich empfinde eine schwere Verantwortung (für die Katastrophe) als Leiter einer der betroffenen Behörden", sagte Yoon weiter. "Die Polizei wird ihr Bestes geben, um zu verhindern, dass so eine Tragödie noch einmal passiert." Er habe eine noch tiefer gehende Untersuchung darüber angeordnet, die klären soll, wie auf Notrufe reagiert wurde und andere Fragen wie die, wie Polizisten vor Ort mit dem Gedränge umgingen.

Yoon Hee Keun | AFP

Polizeichef Yoon Hee Keun: Mit Hinweisen auf eine "große Menschenmenge" sei "unzureichend" umgegangen worden, Bild: AFP

Feier nicht offiziell angekündigt

Am Samstagabend waren bei den ersten Halloween-Feiern in Itaewon seit Beginn der Corona-Pandemie mindestens 156 überwiegend junge Menschen gestorben und etliche weitere verletzt worden. Rund 100.000 Menschen waren in der Gegend unterwegs. Da die Feiern aber nicht offiziell angekündigt worden waren, wurde die Menschenansammlung nicht systematisch von der Polizei oder örtlichen Behörden überwacht.

Zunächst wenig Polizeikräfte

Für das  Sicherheitsmanagement von Menschenmassen gelten in Südkorea eigentlich strenge Regeln. Das führt unter anderem dazu, dass bei Demonstrationen oft mehr Polizisten als Protestierende anwesend sind. Der Polizei zufolge hatte die Polizei zu Halloween zwar 137 Beamte nach Itaewon entsandt. Allerdings waren bei einer Demonstration am anderen Ende Seouls, an der nur etwa 25.000 Menschen teilnahmen, Medienberichten zufolge 6500 Beamte vor Ort.

Die Stadtverwaltung von Seoul verfügt über ein Echtzeit-Überwachungssystem für Menschenansammlungen, das mit Hilfe von Handydaten die Größe von Menschenansammlungen vorhersagen kann. Es war aber Medienberichten zufolge am Samstagabend nicht im Einsatz. 

Präsident will Verbesserungen an Massenkontrollmanagment

Bei einer Kabinettssitzung am Dienstag räumte Präsident Yoon Suk Yeol ein, dass es in Südkorea an Forschung zu Massenkontrollmanagement mangele. Drohnen und andere High-Tech-Ressourcen müssten dafür entwickelt werden. "Die Sicherheit der Menschen ist wichtig, unabhängig davon, ob es einen Veranstalter gibt oder nicht", sagte er auf einer Kabinettssitzung.