Ursula von der Leyen applaudiert nach einer Rede von Wolodymyr Selenskyj. | AP

Selenskyj fordert EU-Mitgliedschaft "Ohne euch wird die Ukraine alleine sein"

Stand: 01.03.2022 19:20 Uhr

Es war ein eindringlicher Appell: Per Video hat sich der ukrainische Präsident an das Europaparlament gewandt und den Beitritt seines Landes in die EU gefordert. Kommissionspräsidentin von der Leyen sprach von einem langen Weg.

In einer emotionalen Ansprache an das Europaparlament hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eindringlich die Aufnahme seines Landes in die Europäische Union gefordert. "Wir kämpfen für unsere Rechte, für unsere Freiheit, für unser Leben. Und nun kämpfen wir ums Überleben", sagte Selenskyj zu Beginn einer Sondersitzung des Parlaments in einer Videobotschaft.

"Aber wir kämpfen auch, um gleichwertige Mitglieder Europas zu sein", sagte Selenskyj der Parlamentsübersetzung zufolge. "Die Europäische Union wird deutlich stärker mit uns sein. Das steht fest", sagte Selenskyj. "Ohne euch wird die Ukraine alleine sein." Die Ukraine habe ihre Stärke bewiesen. "Beweisen Sie, dass Sie bei uns sind. (...) Beweisen Sie, dass Sie tatsächlich Europäer sind." Dann werde Leben gegen den Krieg gewinnen.

Wenige Tage nach dem russischen Angriff auf sein Land hatte Selenskyj bereits am Montag eine "unverzügliche Aufnahme der Ukraine nach einer neuen speziellen Prozedur" gefordert.

Von der Leyen: "Ein langer Weg"

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen stellte die Ukraine auf einen langen Weg ein. Zwar seien sich die Ukraine und die Europäische Union schon heute näher als je zuvor, so von der Leyen im Europaparlament. "Aber es liegt noch ein langer Weg vor uns."

Der Krieg müsse beendet und über die nächsten Schritte gesprochen werden, sagte von der Leyen. "Ich bin sicher: Niemand in diesem Plenarsaal kann daran zweifeln, dass ein Volk, das so mutig für unsere europäischen Werte steht, zu unserer europäischen Familie gehört."

Michel: Werden uns Verantwortung nicht entziehen

Auch EU-Ratspräsident Charles Michel sagte Selenskyj zu, das Gesuch ernsthaft zu prüfen. Es sei ein schwieriges Thema, und es gebe unterschiedliche Auffassungen der Mitgliedstaaten, sagte Michel im Europaparlament. "Aber der Rat wird sich da seiner Verantwortung nicht entziehen können."

Der Beitritt zur EU ist normalerweise kompliziert und langwierig. Für die EU geht es nun zunächst um die Entscheidung, ob die Ukraine offiziell den Status eines Beitrittskandidaten bekommt. Anschließend würde ein Beitrittsabkommen ausgehandelt. Das nimmt normalerweise Jahre in Anspruch. Die EU-Staaten müssten eine Aufnahme letztlich einstimmig billigen.

Das Europäische Parlament verurteilte zudem den russischen Überfall auf die Ukraine als "schwerwiegenden Verstoß gegen das Völkerrecht und insbesondere gegen die Charta der Vereinten Nationen". Es rief Moskau zum sofortigen und bedingungslosen Truppenrückzug auf. Eine entsprechende Resolution nahmen die Abgeordneten mit 637 zu 13 Stimmen bei 26 Enthaltungen an.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. März 2022 um 15:00 Uhr.