Retter arbeiten am Wrack einer abgestürzten Gondel, die in einem Waldstück liegt. | dpa

Norditalien Drei Festnahmen nach Gondelabsturz

Stand: 26.05.2021 11:15 Uhr

Im Zusammenhang mit dem Seilbahnunglück in Norditalien sind drei Männer festgenommen worden. Die Mitarbeiter der Seilbahn-Betreiberfirma haben gestanden, die Notbremse absichtlich abgeschaltet zu haben.

Nach dem Gondelunglück in Norditalien mit 14 Toten sind drei Männer festgenommen worden. Sie sollen für eine absichtliche Abschaltung des Notbremssystems verantwortlich sein. Bei den Verdächtigen handele es sich um den Chef und zwei weitere hochrangige Vertreter der Seilbahn-Betreiberfirma Ferrovie del Mottarone, teilte die italienische Polizei mit. 

"Es gab eine Störung an der Seilbahn, das Beförderungsteam hat das Problem nicht oder nur teilweise gelöst", sagte Carabinieri-Vertreter Alberto Cicognani nach Angaben italienischer Nachrichtenagenturen dem Sender Radiotre.

Bremsautomatik deaktiviert

Die Bremsen an der am Sonntag abgestürzten Gondel konnten nach den Erkenntnissen der Ermittler nicht funktionieren, da sogenannte Metallgabeln eingesetzt waren. Sie werden normalerweise für Wartungsarbeiten verwendet, um die Bremsautomatik zu deaktivieren.

Nach Abschluss der Reparaturen müssen sie aber wieder entfernt werden, damit die Bremsen im Notfall funktionieren können. An der Unglücksgondel waren nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft die Metallgabeln noch eingesteckt. Damit waren die Bremsen blockiert. Sie konnten nicht greifen, als am Sonntag das Zugseil riss. Die Gondel stürzte deswegen ungebremst in die Tiefe.

Überzeugt, "dass das Kabel niemals reißen würde"

Der Firmenchef und die anderen beiden Festgenommenen gaben nach Cicognanis Angaben zu, dass die Notbremse absichtlich ausgeschaltet worden war. Staatsanwältin Olimpia Bossi sagte italienischen Medien zufolge, die Beschuldigten hätten gewusst, dass dies seit dem 26. April, dem Tag der Wiederaufnahme des Seilbahnbetriebs, der Fall gewesen sei. Die Ausschaltung des Notbremssystems sei in der Überzeugung beschlossen worden, "dass das Kabel niemals reißen würde".

Bei dem Seilbahnunglück in Stresa am Berg Mottarone am Lago Maggiore waren am Sonntag 14 Menschen ums Leben gekommen, darunter fünf Israelis. Nur ein Insasse, ein fünfjähriger Junge, überlebte schwer verletzt. 

Mit Informationen von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 26. Mai 2021 um 09:05 Uhr.