Rettungskräfte sind an der Absturzstelle der Gondel | EPA

Seilbahnabsturz in Italien Führte ein Wartungsfehler zum Unglück?

Stand: 26.05.2021 06:53 Uhr

Nach dem Gondelunglück in Norditalien mit 14 Toten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Mitarbeiter der Seilbahngesellschaft. Laut italienischen Medien könnte ein Fehler bei Wartungsarbeiten Unglücksursache sein.

Es verdichten sich die Hinweise, dass der Absturz der Gondel am Lago Maggiore durch menschliches Versagen mitverursacht wurde. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur Ansa leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen einen Mitarbeiter der Seilbahngesellschaft ein. Die leitende Staatsanwältin Olimpia Bossi erklärte, dass menschliches Versagen ein Verdacht sei, dem die Ermittler nachgingen.

Metallgabel vergessen?

Zuvor hatten unter anderem das Staatsfernsehen Rai und mehrere große Tageszeitungen Detailaufnahmen von den Bremsen der abgestürzten Unglücksgondel veröffentlicht. Auf diesen Bildern ist nach Angaben von Experten zu sehen, dass zumindest eine Bremse durch eine spezielle Metallgabel gesichert ist. Diese Metallgabeln werden beispielsweise bei Wartungsarbeiten eingesetzt, um die Bremsen der Seilbahn zu deaktivieren. Wird eine Metallgabel vergessen, können die Bremsen im Notfall nicht aktiv werden.

Beim Unglück am Sonntag war an der Seilbahn am Lago Maggiore nach den bisherigen Erkenntnissen zunächst das Zugseil gerissen. Die betroffene Gondel stürzte ab, weil die für einen solchen Fall vorgesehene Bremsautomatik nicht funktionierte.

Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte das Video einer Überwachungskamera, das den Unfall zeigt. Darauf sei zu sehen, wie sich die Gondel am Sonntag kurz vor der Bergstation am Monte Mottarone befunden habe, als plötzlich ein Seil riss und die Kabine talwärts abstürzte, sagte die Staatsanwältin im italienischen Fernsehen. Mehrere der 15 Passagiere wurden aus der Gondel geschleudert. Sie blieb am Ende völlig zerstört an einem Baum hängen. Für die Rettungskräfte war der steile Waldhang schwer zugänglich.

Karte mit der eingezeichneten Seilbahnstrecke

Die Stresa-Mottarone-Seilbahn befördert vornehmlich Touristen vom Ort am Ufer des Sees auf etwa 1400 Meter Höhe.

Nur ein fünfjähriger Junge überlebt

Bei dem Unglück kamen 14 Menschen ums Leben. Der einzige Überlebende ist ein fünf Jahre alter Junge. Er wird von den Ärzten seit gestern langsam aus seinem künstlichen Koma erweckt. Die bisherigen Reaktionen des Kindes, sagt der verantwortliche Direktor des Krankenhauses, seien positiv.

Mit Informationen von Jörg Seisselberg, ARD Studio Rom

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. Mai 2021 um 07:45 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sisyphos3 26.05.2021 • 16:49 Uhr

16:35 von spax-plywood

In der Nacht auf Mittwoch, nach stundenlangen Verhören, sind drei Verantwortliche der Betreibergesellschaft verhaftet worden, weil sie das Notbremssystem der Gondel wissentlich deaktiviert hatten so bei der Süddeutschen Zeitung nachzulesen auch deren Beweggründe finden sie dort dokumentiert