Einsatzkräfte stehen bei der abgestürzten Gondel. | EPA

14 Tote nach Seilbahn-Unglück Italienische Behörden ermitteln

Stand: 24.05.2021 09:59 Uhr

Beim Absturz einer Seilbahngondel in Norditalien sind 14 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern ist auch ein neunjähriges Kind. Behörden suchen nun die Unfallursache. Womöglich war ein Kabel gerissen.

Nach dem Absturz einer Seilbahn mit 14 Toten in Norditalien geht die Suche nach der Unglücksursache weiter. Die Staatsanwaltschaft der Gemeinde Verbania in der Region Piemont übernahm die Ermittlungen.

Die Gondel war am Sonntag beim Ort Stresa westlich des Lago Maggiore aus weiterhin ungeklärter Ursache in die Tiefe gestürzt.

Familie aus Israel gestorben

Das israelische Außenministerium bestätigte den Tod von fünf Staatsbürgern. Es handele sich um Mitglieder einer Familie, teilte die Behörde in Jerusalem mit. Getötet wurden bei dem Unglück demnach ein Ehepaar und ihr zweijähriger Sohn, die in Italien lebten und arbeiteten. Gestorben seien zudem die Großeltern der Frau, die zu Besuch in Italien waren.

Ein fünfjähriger Sohn des Paares sei schwer verletzt worden und werde in einem Krankenhaus behandelt. Er habe schwere Frakturen an den Beinen erlitten und sei operiert und stabilisiert worden, berichtete die Agentur Adnkronos. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes lagen zunächst keine Erkenntnisse zu deutschen Opfern vor.

Kabelriss als mögliche Unfallursache

Die Seilbahn war zwischen dem Ort Stresa am Westufer des Lago Maggiore und dem Monte Montarrone unterwegs, als sie plötzlich abstürzte. Ein Ermittler der Carabinieri sagte Nachrichtenagenturen zufolge, ein Stahlseil habe sich gelöst. In der Kabine waren 15 Personen.

Das Unglück ereignete sich nach Angaben des Infrastrukturministeriums gegen 12.30 Uhr etwa 100 Meter vor der Bergstation der Seilbahn. Die Kabine fiel etwa 15 Meter tief, rollte dann einen Teil des Abhangs hinunter und krachte gegen einen Baum, wie ein Polizist nach Nachrichtenagentur AFP berichtete.

Das Gebiet sei schwer zugänglich gewesen, hieß es von den Rettern. Dass die Kabine überlastet war, scheint ausgeschlossen, da sie bis zu 35 Passagiere aufnehmen kann.

Die Mailänder Staatsanwaltschaft leitete unterdessen Ermittlungen wegen "Totschlags und fahrlässiger Körperverletzung" ein. Bilder der Feuerwehr und der Polizei zeigten die völlig zerbeulte Kabine an einem steilen Hang in einem Waldstück. Laut Bergrettung waren mehrere Hubschrauber im Einsatz. Zwei Kinder seien in kritischem Zustand in eine Turiner Klinik geflogen worden. Ein neunjähriges Kind erlag später seinen schweren Verletzungen.

Politiker reagieren bestürzt

"Mit großer Trauer habe ich von dem tragischen Unfall der Stresa- Mottarone-Seilbahn erfahren", teilte Italiens Ministerpräsident Mario Draghi mit. Er spreche den Familien der Opfer sein Beileid aus. Staatspräsident Sergio Mattarella sprach von einem "tiefen Schmerz", den das Unglück ausgelöst habe. Auch Außenminister Luigi Di Maio und andere Minister zeigten sich via Twitter bestürzt über das Unglück.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen sprach den Familien der Opfer per Twitter "Europas tiefes Mitgefühl" aus. EU-Ratspräsident Charles Michel und der EU-Parlamentspräsident David Sassoli drückten ebenfalls ihre Anteilnahme aus. Der Präsident der Region Piemont, Alberto Cirio, forderte bei im TV die Aufklärung des Unglücks. Italien sei ein Land der Sicherheit, sagte er.

Karte mit der eingezeichneten Seilbahnstrecke

Die Stresa-Morratone-Seilbahn befördert vornehmlich Touristen vom Ort am Ufer des Sees auf etwa 1400 Meter Höhe.

2016 saniert, gerade erst wieder eröffnet

Die bei Touristen beliebte Seilbahn verbindet in 20 Minuten den am Lago Maggiore gelegenen Urlaubsort Stresa mit dem fast 1500 Meter hohen Berg, der einen spektakulären Blick auf den Lago Maggiore und die Alpen bietet. Das Panorama auf dem Gipfel soll zu einem der schönsten gehören. Im Winter kommen Ski-Sportler in die Gegend. Im Sommer sind viele Wanderer dort unterwegs.

Die gesamte Gegend um den Lago Maggiore zieht viele Urlauber an. Der Monte Mottarone gehört zu den beliebten Ausflugszielen an dem See. Erst einen Tag vor dem Unglück durften in Italien die Seilbahnen nach Monaten der Schließung wegen der Corona-Pandemie wieder ihren Betrieb für Ausflugsgäste aufnehmen. Der Nachrichtenagentur Ansa zufolge wurde die Bahn zuletzt zwischen 2014 und 2016 überholt.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 24. Mai 2021 um 10:00 Uhr.