Migranten auf einem Holzboot warten auf ihre Rettung durch das deutsche NGO-Such- und Rettungsschiff "Sea-Eye 4". | Hugo Le Beller/Sea-Eye/Handout via REUTERS

Seenotrettung im Mittelmeer "Sea-Eye 4" bringt 800 Menschen nach Lampedusa

Stand: 04.11.2021 19:31 Uhr

Bei mehreren Einsätzen hat das deutsche Rettungsschiff "Sea-Eye 4" insgesamt 800 Menschen aus dem Mittelmeer gerettet. Die Crew steuert nun die italienische Insel Lampedusa an. Ob sie anlegen darf, ist fraglich.

Nach der Rettung von insgesamt 800 Menschen nimmt das deutsche Rettungsschiff "Sea-Eye 4" Kurs auf den Hafen der italienischen Insel Lampedusa. Zunächst hatte das Schiff bei sechs Einsätzen 397 Menschen gerettet, teilte Sea-Eye mit. Dabei sei es von einem Schiff der Hilfsorganisation "Mission Lifeline" unterstützt worden. Dann habe die "Sea-Eye 4" von einem völlig überfüllten Holzboot weitere 400 Menschen aufgenommen.

"Noch nie da gewesenen Belastungssituation"

Die eigentlich zuständigen maltesischen Rettungsdienste hätten nicht auf Hilferufe reagiert, erklärte Sea-Eye. "Es ist beschämend, wie Malta sich immer wieder seiner Verantwortung entzieht und Notrufe ignoriert", erklärte der Vorsitzende von Sea-Eye, Gorden Isler. Das Such- und Rettungsgebiet des Inselstaats umfasst einen breiten Streifen des zentralen Mittelmeers, einschließlich der Gewässer um Italiens südlichste Insel Lampedusa und einen Teil des Korridors zwischen Libyen und Sizilien.

Die 24-köpfige Besatzung der "Sea-Eye 4" befinde sich in einer "noch nie da gewesenen Belastungssituation". Das Rettungsschiff sei auf die schnelle Zuweisung eines sicheren Hafens angewiesen. "Die Situation ist absolut einmalig, das hatten wir in den letzten Jahren so noch nicht", sagte Isler der Nachrichtenagentur epd.

Die italienischen Behörden wiesen dem Schiff trotz Anfragen der Organisation zunächst keinen Hafen zu, hieß den Angaben zufolge. "Würde man dort menschlich handeln, hätten wir einen schnellen Rückruf bekommen", sagte Isler. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß, man stehe in Kontakt mit der "Sea Eye 4" und habe die Lage auf dem Mittelmeer im Blick.

Eine der gefährlichsten Fluchtrouten

Die libysche Küstenwache fing nach eigenen Angaben vor der Westküste des Landes 280 Migranten ab, die über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollten. Die Menschen aus unterschiedlichen afrikanischen Staaten waren demnach mit vier Holzbooten und einem Schlauchboot unterwegs, als sie gerettet wurden, wie die libysche Marine auf Facebook mitteilte. Sie seien der Behörde für den Kampf gegen die illegale Migration übergeben worden.

Vor allem von Libyen aus starten jährlich Zehntausende Schutzsuchende in seeuntauglichen Booten die lebensgefährliche Überfahrt nach Europa. Die Ankünfte in Italien sind in diesem Jahr im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Jahren stark gestiegen. Bislang kamen in Italien fast 54.000 Menschen an. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 29.000 gewesen, 2019 weniger als 10 000, wie Vertreter des italienischen Innenministeriums mitteilten.

Die Überfahrt über das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bislang mindestens 1.559 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst.

Karte: Lampedusa, mit Italien und Mittelmeer

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. November 2021 um 20:00 Uhr.