Migranten an Deck des Seenotrettungsschiffs "Ocean Viking" am 8.11.22 | via REUTERS

Nach Weigerung Italiens Rettungsschiff steuert Frankreich an

Stand: 10.11.2022 13:51 Uhr

Die "Ocean Viking" mit 234 Migranten an Bord ist auf dem Weg ins südfranzösische Toulon - nachdem Italien ein Einlaufen des Rettungsschiffs verweigert hatte. Frankreich und Deutschland wollen den Großteil der Migranten aufnehmen.

Das Seenotrettungsschiff "Ocean Viking" mit 234 Migranten an Bord ist auf dem Weg nach Frankreich. Das Schiff werde am Freitagmorgen im Militärhafen der südfranzösischen Stadt Toulon erwartet, kündigte Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin an. Deutschland habe sich bereit erklärt, ein Drittel der Geflüchteten aufzunehmen. Frankreich werde ebenfalls ein Drittel der Passagiere übernehmen. Andere EU-Länder prüften derzeit auch die Aufnahme von Migranten des Schiffs der Organisation SOS Méditerranée.

Darmanin kündigte zugleich an, dass Frankreich die ursprünglich geplante Aufnahme von 3500 Migranten, die sich derzeit in Italien befinden, suspendieren wolle. Die französische Regierung hatte kurz zuvor angekündigt, dass mehrere kranke Menschen an Bord der "Ocean Viking" an Land geholt und in ein Krankenhaus gebracht werden sollten. 

Darmanin wirft Italien Bruch internationaler Regeln vor

Darmanin verurteilte das Verhalten Italiens, das entgegen internationaler Regeln das Einlaufen des Schiffs in einen italienischen Hafen verweigert habe. Das Vorgehen Roms belaste das Verhältnis zwischen beiden Ländern. Angesichts der humanitären Notlage auf dem Schiff, das bereits seit zwei Wochen mit den Flüchtlingen auf dem Meer unterwegs sei, habe Frankreich sich ausnahmsweise zur Aufnahme des Schiffs entschieden.

Die EU-Kommission hatte angesichts des Streits darauf verwiesen, dass Regierungen gesetzlich verpflichtet seien, Schiffbrüchigen zu helfen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. November 2022 um 14:00 Uhr.