Die "USS Ross" im Hafen von Odessa. | picture alliance/dpa/TASS

"Sea Breeze 2021" Schwarzmeer-Manöver in heiklen Zeiten

Stand: 28.06.2021 12:41 Uhr

Seit heute üben beim Manöver "Sea Breeze" die Streitkräfte von 32 Nationen im Schwarzen Meer. Russland warnt vor weiteren Zwischenfällen wie der jüngsten Kraftprobe mit dem britischen Kriegsschiff "HMS Defender".

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Es ist nicht das erste Mal, dass Russland gegen das von den Vereinigten Staaten und der Ukraine geführte Manöver "Sea Breeze", "Meeresbrise", Sturm läuft. Selten aber war die Stimmung im Vorfeld so angespannt wie jetzt: "Die Situation in Europa im Ganzen ist brandgefährlich", warnte Russlands Verteidigungsminister Sergej Schojgu in der vergangenen Woche nachdrücklich auf der Moskauer Sicherheitskonferenz. Er forderte den Westen auf, mehr zu tun, um die Lage zu deeskalieren, zum Beispiel durch einen Verzicht auf Militärmanöver in sensiblen Grenzregionen - auch, um das Risiko von unkalkulierbaren Zwischenfällen zu minimieren.

Christina Nagel ARD-Studio Moskau

Wie schnell es gehen kann, illustrierte nur wenige Stunden später das Scharmützel zwischen dem britischen Zerstörer "HMS Defender" und den russischen Streitkräften nahe der Halbinsel Krim. Bei dem die russische Seite - wie Videoaufnahmen inzwischen belegen - tatsächlich echte Munition für Warnschüsse einsetzte, um das britische Kriegsschiff zu einer Kursänderung zu bewegen. Der Zerstörer sei absichtlich in "russische Hoheitsgewässer" eingedrungen, um zu provozieren, meint Russlands Vize-Außenminister Sergej Rjabkow: Die Frage nach der Zugehörigkeit der Krim zu Russland sei 2014 schließlich "ein für alle Mal" geklärt worden.

Für den überwiegenden Teil der Weltgemeinschaft aber war und ist die Krim gemäß dem Völkerrecht weiter Bestandteil der Ukraine. Weshalb auch die Briten darauf verweisen, dass sich ihr Schiff in ukrainischen und nicht in russischen Gewässern aufgehalten habe.

"Raffinierter britischer Humor"

Es sei eine kleine, aber feine Machtdemonstration gewesen, meint der frühere ukrainische Minister für Infrastruktur, Wolodymyr Omeljan: "Ich denke, es war raffinierter britischer Humor, der zeigt, dass alle Ansprüche Russlands auf die eroberten Territorien nichts wert sind."

Entsprechend wichtig ist dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj auch das heute beginnende Manöver, an dem sich viele NATO-Staaten, allen voran die USA, beteiligen. Es gehe darum sicherzustellen, dass im Schwarzen Meer auch künftig freier Handel und freie Schifffahrt möglich sei, betonte er.

Und auch darum, gegenüber Russland klar Flagge zu zeigen, meint Omeljan: "Sie haben auf jede erdenkliche Weise versucht, die Übung zu verhindern, denn es ist nicht nur ein ukrainisch-amerikanisches Manöver. Es gibt eine Rekordzahl von Teilnehmern. Das ist megawichtig, um Putin seinen Platz zu zeigen."

Russland hält sich "alle Optionen" offen

5000 Militärs aus 32 Staaten werden dieses Mal mit dabei sein, mehr als 30 Schiffe und 40 Flugzeuge.

Man werde die Übung genau beobachten, erklärte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, "und im Zweifel der Lage angemessen reagieren. Im Interesse der Sicherheit der Russischen Föderation."

Russland, so hatte auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow im Vorfeld der Übung betont, halte sich alle Optionen offen, um seine Grenzen zu schützen.

Gleichzeitig lässt das Land bei einer Übung im östlichen Mittelmeer selbst die Muskeln spielen: schließlich unterhält Russland in Syrien eine Marine- und Luftwaffenbasis. Bei der Militärübung kommen auch Kampfflugzeuge zum Einsatz, die Überschallraketen befördern können. Am Wochenende kamen sich bereits Schiffe der russischen Kriegsmarine und NATO-Alliierter gefährlich nahe - nun läuft das nächste heikle Manöver in aufgeheizten Zeiten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Juni 2021 um 12:10 Uhr.

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Moderation 28.06.2021 • 17:51 Uhr

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