Jimmie Åkesson | dpa
Hintergrund

Vor Regierungsbildung Wer sind die "Schwedendemokraten"?

Stand: 15.09.2022 13:29 Uhr

"Wir wollen in die Regierung": Als zweitstärkste Kraft treten die "Schwedendemokraten" selbstbewusst auf. In ihrem Wahlerfolg sehen Beobachter ein Protestzeichen - aber keine direkte Zustimmung zu Rechtsextremismus.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Seine Parteigänger feierten ihn wie einen Popstar, schon in der Wahlnacht: Jimmie Åkesson, Spitzenkandidat und seit 17 Jahren Parteivorsitzender der "Schwedendemokraten". "Wir waren die, die als kleine Partei belächelt wurden", rief Åkesson euphorisch - "und jetzt sind wir echte Herausforderer." Bei einem Machtwechsel in Schweden werde seine Partei "eine zentrale Position in der neuen Führung einnehmen. Wir wollen in die Regierung." 

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Selbstbewusst kann der 43-Jährige sein: Denn ohne seine Partei gibt es im rechten Block keine Mehrheit. Er hat es geschafft, die "Schwedendemokraten" zu etablieren.

Vielen galt die Partei lange als zu radikal - mit ihren Wurzeln in rechtsextremen Kreisen, als sie 1988 gegründet wurde. Doch nun gelten die "Schwedendemokraten" als softer. Das spiegelt sich auch im Logo der Partei wider: eine Blume in blau-gelb, den schwedischen Nationalfarben.

"Viele mögen Åkesson"

"Åkesson ist nicht der charismatische Parteivorsitzende, der die Partei allein vorantreibt, wie zum Beispiel Marine Le Pen in Frankreich oder Geert Wilders in den Niederlanden", erklärt der Journalist Pontus Mattsson von "Sveriges Radio", der viel über die "Schwedendemokraten" berichtet. "Aber er ist routiniert und viele mögen ihn. Bei der vergangenen Wahl haben viele der Wählerinnen und Wähler angegeben, dass er Grund für ihre Stimme war."

Bei dieser Wahl haben die "Schwedendemokraten" vor allem bei den jüngsten Wählern zugelegt: Bei den 18- bis 21-Jährigen hat sich die Wählerschaft von 12 auf 22 Prozent fast verdoppelt.

Torbjörn Sjöström vom Meinungsforschungsinstitut Novos glaubt, dass der Erfolg der Partei viel mit der Unzufriedenheit mit bisherigen Regierungen zu tun hat. "Wer die 'Schwedendemokraten' wählt, ist nicht gleich ein Rassist. Vielmehr denken die Menschen: 'Wir haben keine Zeit, können nicht noch mehr Flüchtlinge aufnehmen. Wir müssen die Integration verbessern, und uns fehlt Geld'", sagt er. "Es sind keine Rassisten, davon haben wir nur wenige in Schweden, viel weniger als Wähler der 'Schwedendemokraten'." 

Noch immer rechtsextreme Äußerungen

Innerhalb der Partei jedoch tauchen immer wieder Aussagen auf, die mindestens als fremdenfeindlich zu werten sind - teilweise auch als offen rechtsextrem. Vor kurzem wurde beispielsweise ein Chatverlauf öffentlich, in dem ein Lokalpolitiker gefordert haben soll, das Land von schwedischen Verrätern zu befreien, um sich dann um die - so wörtlich - "invasiven artfremden Feinde" zu kümmern.

So etwas sei kein Einzelfall, weiß Mattsson: "Immer wieder schreiben Menschen aus dem 'Schwedendemokraten'-Umfeld rassistische Posts in sozialen Medien. Sie werden dann aus der Partei ausgeschlossen, aber es passiert trotzdem wieder." So sei es all die Jahre gewesen, seit die "Schwedendemokraten" im Parlament sitzen.

Nun, mit knapp 21 Prozent der Stimmen im Rücken, wollen die Schwedendemokraten Teil einer bürgerlichen Regierung werden. Sie haben mehr Stimmen als die Konservativen und sind stärkste Kraft im rechten Block.

Allerdings dürften die Verhandlungen schwierig werden: Denn eine Koalition mit den Rechtspopulisten hatten die anderen bürgerlichen bisher eigentlich ausgeschlossen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. September 2022 um 11:00 Uhr.