Geschlossene Coop-Filiale in Stockholm von außen. | EPA

Nach Cyberangriff auf Coop Supermärkte in Schweden weiter dicht

Stand: 05.07.2021 14:43 Uhr

Auch drei Tage nach dem Cyberangriff sind die meisten der rund 800 Filialen des schwedischen Supermarkt-Giganten Coop noch geschlossen. Ein Trick soll nun Einkaufen wieder möglich machen.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm, zurzeit Hamburg

Die typische Szene, die typische Frage und die typische Antwort: "Kann ich rein?" "Nein, leider nicht, wir sind zu." "So ein Mist!"

Der Frust ist groß und die Sorge ist fast noch größer. So schlimm war es noch nie! Denn IT-Experten haben es übers Wochenende nicht geschafft, die gehackten Kassensysteme des schwedischen Supermarkt-Giganten Coop wieder in Betrieb zu nehmen.

Auf der Website des Unternehmens ist die Rede von lediglich ein paar Geschäften, unter anderem in Oskarshamn oder auf der Insel Gotland, die weiter geöffnet sind.

Handelskette plant Bezahlung per App

Ab heute nun soll das Einkaufen in zusätzlichen Coop-Märkten mit einem technischen Trick wieder möglich sein: Kunden werden online aufgefordert, in speziell dafür vorbereitete Läden zu kommen, dort wie gewohnt einzukaufen, aber dann nicht an der Kasse, sondern über eine Coop-eigene App mit dem Smartphone zu bezahlen.

Unternehmenssprecherin Theresa Knapp kann nur mit den Schultern zucken und sagt zu dem Vorfall:

Es ist eine außergewöhnliche Situation, das hätte nicht passieren dürfen. Wir müssen die Sache jetzt genau analysieren und sehen, wie wir in Zukunft mit so etwas umgehen.

Weitere Unternehmen in Schweden betroffen

Von der für Schweden bisher größten öffentlichen bekannten und für viele Menschen erstmals im Alltag ganz unmittelbar spürbaren Cyberattacke sind den Berichten zufolge auch weitere Unternehmen betroffen, darunter eine große Apothekengruppe, das Bahnunternehmen SJ und die Tankstellenkette ST1.

Im Morgenfernsehen des öffentlichen Senders SVT äußerte sich Schwedens Verteidigungsminister Peter Hultqvist. Er sprach von einem ernsten Angriff auf die Grundfunktionen der schwedischen Gesellschaft. Er sei ein weiterer Beweis dafür, dass Kriminelle, aber auch Terroristen und - ohne konkret Länder zu nennen -  "staatliche Akteure" nach Schwachstellen in digitalen Systemen suchten, so Hultqvist. Und weiter:

Es zeigt auch, was in einer angespannten sicherheitspolitischen Lage passieren kann, wenn es ein Gegner wirklich darauf anlegt, ein Land zu sabotieren. Man kann mit diesen Methoden große Teile der Gesellschaft runterfahren. Wir sehen, wie brenzlig die Situation jetzt schon ist.

Schweden stelle dem ein eigenes staatliches Sicherheitssystem entgegen, an dem weiter gearbeitet werden, so der Minister. Was die Coop-Kunden heute wenig trösten dürfte.

Offenbar keine schnelle Lösung in Sicht

Laut Unternehmen versuchen etwa 100 IT-Fachleute seit Freitagabend, die von den Hackern eingeschleuste Verschlüsselungssoftware unschädlich zu machen. Das sei aber ein komplizierter Prozess mit unterschiedlichen Bedingungen für jeden einzelnen der vielen Märkte.

Es werde also - wenn überhaupt - dann keine schnelle Lösung geben, die das Problem für alle löse. So stehen die viele Schweden heute schon den dritten Tag vor verschlossenen Supermarkttüren und fragen sich mit vielen IT-Sicherheitsexperten im Land nicht mehr ob oder wann, sondern nur noch wo die Hacker wohl das nächste Mal zuschlagen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Juli 2021 um 13:10 Uhr.