Jens Stoltenberg (M), Nato-Generalsekretär, nimmt an einer Pressekonferenz mit Pekka Haavisto (l), Außenminister von Finnland, und Ann Linde, Außenministerin von Schweden, im NATO-Hauptquartier teil (Archivbild).  | dpa

Schweden und Finnland Schneller NATO-Beitritt wahrscheinlich

Stand: 28.04.2022 13:39 Uhr

Noch sind die Beitrittsgesuche Schwedens und Finnlands zur NATO nicht offiziell - doch das Bündnis verspricht bereits Zustimmung. Der Beitritt der Länder könnte auch Auswirkungen auf die EU-Sicherheitspolitik haben.

Von Helga Schmidt, ARD-Studio Brüssel

Die sicherheitspolitische Zeitenwende rückt auch in Skandinavien näher. Für Schweden und Finnland gehörten Bündnisfreiheit und militärische Unabhängigkeit jahrzehntelang zu den Pfeilern ihrer Außenpolitik - jetzt ist der Beitritt zur NATO so wahrscheinlich geworden, dass deren Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel schon versprach, die Allianz werde beide Länder mit offenen Armen empfangen, wenn sie sich entschieden, den Antrag zu stellen.

Helga Schmidt ARD-Studio Brüssel

Schon länger sind Finnland und Schweden enge Partner der NATO, waren aber stets auf ihre Unabhängigkeit bedacht - eine Distanz, die seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine aber immer geringer wurde.

Man kennt sich, man schätzt sich

"Wir arbeiten seit vielen Jahren mit Finnland und Schweden zusammen", erklärt NATO-Generalsekretär Stoltenberg und berichtet über das hohe militärische Niveau beider Armeen. Das kenne man aus gemeinsamen Übungen und aus gemeinsamen internationalen Militäreinsätzen.

Im Brüsseler NATO-Hauptquartier rechnet man damit, dass die offiziellen Mitgliedsanträge aus Helsinki und Stockholm schon in einigen Wochen eintreffen könnten. Alle 30 Mitgliedsländer müssen dann zustimmen. Doch bisher hat sich kein Mitglied gegen Finnland und Schweden ausgesprochen, im Gegenteil: Die großen Mitglieder signalisierten bereits offensiv ihre Bereitschaft zur Aufnahme, darunter die USA, Frankreich und Deutschland.

NATO-Beitritt hätte Auswirkungen auf die EU

Mit dem Beitritt kämen zwei weitere EU-Mitgliedsländer in die NATO. Das hätte Folgen für die Zusammenarbeit der EU mit dem Verteidigungsbündnis, machte Roberta Metsola deutlich, die Präsidentin des Europäischen Parlaments. Sie empfing am Donnerstag Stoltenberg. Es war das erste Mal, dass sich der NATO-Chef offiziell mit den Spitzen der politischen Parteien im EU-Parlament austauschte.

"Wir sprechen jetzt über die Allianz - und über gemeinsame Werte und gemeinsame Ziele, die wir, die EU und die NATO, teilen. Und wir können dabei auch über eine noch intensivere Zusammenarbeit und mehr gemeinschaftliche Sicherheit sprechen", sagte Metsola.

Mehr Engagement der EU-Staaten in der NATO?

Dass die Europäer mehr für die Sicherheit der Union tun müssen, gilt inzwischen als unumstritten. Durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine haben diejenigen Auftrieb bekommen, die die strategische und militärische Aufrüstung Europas fest innerhalb der NATO verankern wollen - und nicht neben der Allianz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Informationen am Mittag" am 28. April 2022 um 12:40 Uhr.