Magdalena Andersson wird von Medien befragt | dpa

Parlamentswahl in Schweden Regierungschefin Andersson räumt Niederlage ein

Stand: 14.09.2022 19:57 Uhr

Schwedens Ministerpräsidentin Andersson hat den Wahlsieg des rechtsgerichteten Oppositionsbündnisses eingeräumt. Zugleich erklärte die Sozialdemokratin, sie wolle morgen ihren Rücktritt einreichen.

Drei Tage nach der Parlamentswahl in Schweden hat sich Regierungschefin Magdalena Andersson geschlagen gegeben. Das konservativ-rechte Lager um ihren Herausforderer Ulf Kristersson habe eine knappe Mehrheit erhalten, am Donnerstag werde sie deshalb ihren Rücktritt als Ministerpräsidentin einreichen, sagte die Sozialdemokratin in Stockholm.

Die Verantwortung für den weiteren Prozess gehe dann an Parlamentspräsident Andreas Norlén und den Reichstag über, sagte sie. Es sei wichtig, dass Schweden so schnell wie möglich eine neue Regierung bekomme.

Mehrheit von 176 Sitzen

Kurz zuvor war bekannt geworden, dass in der Stimmauszählung das konservativ-rechte Lager aus Moderaten, Schwedendemokraten, Christdemokraten und Liberalen seinen minimalen Vorsprung ausbauen konnte. Ein Mandat wanderte nach Auszählungsstandes von den Sozialdemokraten zu den Moderaten ihres Herausforderers Kristersson herüber, wie die Webseite der schwedischen Wahlbehörde zeigte. Zu dem Zeitpunkt waren mehr als 99 Prozent aller 6578 Wahlbezirke vorläufig ausgezählt.

Der Vorsprung von Kristerssons Vier-Parteien-Block auf das ebenfalls aus vier Parteien bestehende Lager von Andersson wuchs dadurch auf 176 zu 173 Mandate, nachdem er bis zuletzt bei 175 zu 174 gelegen hatte. 175 der 349 Sitze sind im Reichstag in Stockholm für eine Mehrheit notwendig. Ein vorläufiges Ergebnis steht noch aus.

Regierungsbildung offen

Damit liegt eine Regierungsbeteiligung für die rechtspopulistischen Schwedendemokraten erstmals in greifbarer Nähe, die hinter den Sozialdemokraten zweitstärkste Kraft wurden. Ihr Chef, Jimmie Åkesson, beanspruchte vor diesem Hintergrund den Sieg bei der Parlamentswahl für das konservativ-rechte Lager. Jetzt sei es Zeit, Schweden an die erste Stelle zu setzen, sagte er. Ob sich die vier Parteien aus Kristerssons Block letztlich auf eine Regierungszusammenarbeit einigen können, ist noch offen.

Denn obwohl die Schwedendemokraten bei der Parlamentswahl mehr Stimmen als die Moderaten erhielten, gilt deren Kandidat Kristersson als wahrscheinlicher neuer Regierungschef, sollte sich das rechte Lager auf eine Partnerschaft verständigen. Die anderen Mitglieder des potenziellen Bündnisses hatten bereits erklärt, Åkesson nicht zum Regierungschef zu wählen. Liberale und Schwedendemokraten vertreten in vielen Bereichen gegensätzliche Standpunkte. Åkesson hatte versprochen, der neuen Regierung seinen Stempel aufzudrücken.

Zahlen kippten am Wahlabend

In ersten Prognosen hatte das Lager von Andersson zunächst noch knapp in Führung gelegen. Im Laufe des Wahlabends am Sonntag kippten die Zahlen zugunsten von Kristersson, der mit einem Minimalvorsprung von 175 zu 174 Mandaten führte.

Das Rennen zwischen den Lagern war so knapp, dass die Wahlbehörde in der Nacht von Sonntag auf Montag noch kein vorläufiges Ergebnis ausrief. Erst wollte sie spät abgegebene Briefwahlstimmen und Stimmen von Schweden aus dem Ausland auszählen. Diese Stimmen flossen nun nach und nach ins Ergebnis ein. Das endgültige Wahlergebnis steht in Schweden normalerweise rund eine Woche nach dem Wahltag fest.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. September 2022 um 20:00 Uhr.