Kernkraftwerk Saporischschja | REUTERS

Atomkraftwerk Saporischschja Feuerpause am AKW vorgeschlagen

Stand: 15.08.2022 14:43 Uhr

Der Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert seit fast einem halben Jahr an. Russland hat nach eigenen Angaben eine Feuerpause am AKW Saporischschja vorgeschlagen. Die Ukraine rechnet offenbar mit einer Verlängerung des Kriegszustands.

Von Marius Reichert, WDR, aus Köln für das ARD-Studio Moskau

Seit Tagen gehen die Kämpfe am Atomkraftwerk Saporischschja weiter - immer wieder gibt es Beschuss. Pumpen und Leitungen seien beschädigt, ein Reaktorblock wurde sicherheitshalber heruntergefahren. Die Welt ist in Alarmbereitschaft. Nun hat Russland eine Feuerpause vorgeschlagen, berichtet die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti.


Die Feuerpause soll demnach in der gesamten Umgebung des Atomkraftwerks gelten. Der Vertreter der russischen Besatzungsbehörde, Rogow, sagte, die internationalen Vermittler sollten nicht darüber sprechen, Streitkräfte zu entmilitarisieren, sondern darüber, unter welchen Bedingungen der Beschuss aufhören könne. Von ukrainischer Seite gibt es bislang keine Stellungnahme dazu.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Kämpfe im Süden und Osten der Ukraine

Beide Seiten machen sich seit Tagen gegenseitig für den Beschuss in der Umgebung des AKW in der Stadt Enerhodar verantwortlich.
Derweil gehen die Kämpfe im Süden und Osten der Ukraine weiter. Im ukrainischen Fernsehen berichten die Menschen von Raketenangriffen auf Mykolajiw.

Seit fast einem halben Jahr dauert der Krieg inzwischen an. Der ukrainische Präsident Selenskyj stellt sich offenbar auf viele weitere Monate ein. In seiner nächtlichen Videoansprache, forderte er, den Kriegszustand zu verlängern sowie eine Generalmobilmachung der Armee.

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. | ISW/14.08.2022

Weiß schraffiert: Vormarsch der russischen Armee. Grün schraffiert: von Russland unterstützte Separatistengebiete. Krim: von Russland annektiert. Bild: ISW/14.08.2022

Selenskyj erklärte, dass das Parlament bald über die Verlängerung und die allgemeine Mobilisierung entscheiden solle. "Die Ukraine hat immer Frieden gewollt und will ihn immer noch", sagte der ukrainische Präsident. Mehrmals habe die Ukraine Russland in verschiedenen Sitzungen vorgeschlagen, den Krieg zu beenden und die Besatzung zu beenden, so Selenskyj: "Aber bisher setzt Russland auf den Terror."

Seit Monaten verhandeln die Kriegsparteien nicht mehr über einen Waffenstillstand. Eine erneute Generalmobilmachung werten Experten als Zeichen dafür, dass mit einer deutlichen Verlängerung des Krieges über den Winter hinaus gerechnet werden muss.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. August 2022 um 13:20 Uhr.