Der ehemalige italienische Innenminister Matteo Salvini wird im Oktober 2021 von einem Journalisten mit dem Handy aufgenommen, während sich der Lega-Chef vor der Presse äußert. | dpa

Prozess gegen Italiens Ex-Innenminister Rackete bringt Salvini erneut vor Gericht

Stand: 09.06.2022 11:05 Uhr

2019 hatte Seenotretterin Rackete Flüchtlinge nach Lampedusa gebracht - gegen den Willen des damaligen italienischen Innenministers Salvini. Der beschimpfte sie öffentlich und muss sich dafür nun vor Gericht verantworten.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Kapitänin Carola Rackete wirft Italiens früherem Innenminister Matteo Salvini üble Nachrede vor. Der Chef der rechten Lega habe sie rufschädigend angegriffen.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Die heute 34 Jahre alte Deutsche hatte im Sommer 2019 als Kapitänin des Rettungsschiffes "Sea-Watch 3" 40 Migranten nach Lampedusa gebracht - trotz eines Einfahrtverbots in den Hafen, das der damalige Innenminister Salvini verhängt hatte.

"Potenzielle Mörderin, Kriminelle und Piratin"

Salvini attackierte daraufhin Rackete im Fernsehen und über soziale Netzwerke, unter anderem als "Gesetzlose, Komplizin von Schleppern, potenzielle Mörderin, Kriminelle und Piratin". Dafür hat Rackete den Lega-Politiker angezeigt.

Zum Auftakt des Verfahrens in Mailand wird Rackete nicht vor Gericht erscheinen. Sie habe kein Interesse, "Zeit mit Herrn Salvini zu verschwenden", ließ sie wissen.

Bereits eine erfolglose Klage

Im vergangenen Jahr war Rackete in Italien mit einer anderen Klage gegen Salvini gescheitert. Sie hatte unter anderem gefordert, die sozialen Netzwerkkonten des Politikers sollten geschlossen werden, weil er Hassbotschaften verbreite.

Ein weiterer Prozess gegen Salvini läuft derzeit in Palermo. Dort wird darüber verhandelt, ob der Lega-Vorsitzende möglicherweise gegen Gesetze verstoßen hat, als er in seiner Zeit als Innenminister dem Rettungsschiff "Open Arms" die Einfahrt verweigerte.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. Juni 2022 um 10:00 Uhr.