Ukrainische Soldaten machen eine Pause nahe Kiew | EPA

Krieg in der Ukraine Verstärkung für Kiew - Kämpfe in Charkiw

Stand: 27.02.2022 12:11 Uhr

Die Ukraine wird weiter aus verschiedenen Richtungen von der russischen Armee angegriffen. Um Kiew besser zu schützen, sollen Kräfte um die Hauptstadt zusammengezogen werden. In Charkiw im Osten des Landes gibt es Straßenkämpfe.

Angesichts der russischen Invasion ziehen die ukrainischen Streitkräfte weiter Soldaten für die Verteidigung der Hauptstadt Kiew zusammen. Es gehe vor allem um die Abwehr des russischen Angriffs im Norden und im Nordwesten der Hauptstadt, schrieb Vizeverteidigungsministerin Hanna Maljar bei Facebook.

Im ganzen Land laufe die Mobilisierung. Die Luftwaffe habe russische Kampfjets und Transportmaschinen über Kiew abgefangen, im Süden habe die Marine eine russische Landung vereitelt.

Am Mittag wurde mitgeteilt, dass die ukrainische Armee die Stadt Irpin nordwestlich von Kiew zurückerobert habe. Die Agentur Unian veröffentlichte Videos, die angeblich getötete Russen zeigen sollen. Die Angaben lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Zudem sollen ukrainischen Angaben zufolge mehrere gepanzerte Fahrzeuge der Russen nahe dem seit Tagen umkämpften Flugplatz Hostomel zerstört worden sein.

Charkiw: Zivilisten sollen Häuser nicht verlassen

Am Morgen war die russische Armee ins Zentrum der Großstadt Charkiw eingerückt. Die Straßenkämpfe betrafen mehrere Orte im Stadtgebiet. Der Leiter der Regionalverwaltung, Oleh Sinehubow, rief die Zivilisten auf, ihre Wohnungen und Häuser nicht zu verlassen. Ukrainischen Angaben zufolge soll der russische Angriff auf Charkiw zurückgeschlagen worden sein - überprüfen lässt sich dies derzeit nicht.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Charkiw liegt im Osten der Ukraine unweit der russischen Grenze, hat rund 1,4 Millionen Einwohner und ist die zweitgrößte Stadt des Landes

Gasleitung in Flammen aufgegangen

In der Nähe von Charkiw war in der Nacht laut Darstellung der ukrainischen Agentur Unian eine Gasleitung in Flammen aufgegangen. Sie soll von russischen Truppen gesprengt worden sein. Unklar war, ob es sich bei der Leitung um eine regionale Erdgasleitung oder um einen Teil der aus Russland nach Europa führenden Leitungen handelt.

Ein zerstörtes Haus in Charkiw | REUTERS

In Charkiw leben etwa 1,4 Millionen Menschen. Bild: REUTERS

Öldepot von Rakete getroffen

In der Stadt Wassylkiw, rund 40 Kilometer südlich von Kiew, wurde in der Nacht ein Öldepot von einer Rakete getroffen. Im Internet zirkulierten Videos von einem gewaltigen Brand, der das brennende Öldepot zeigen soll. Unabhängig konnte zunächst nicht bestätigt werden, ob es sich dabei tatsächlich um die Anlage in Wassylkiw handelt. Die Behörden warnen die Bewohner vor giftigen Dämpfen.

Am frühen Morgen lieferten sich russische und ukrainische Einheiten erbitterte Gefechte um den Flughafen Vasilkovo in einem Vorort von Kiew. Nach Medienberichten versuchten die russischen Einheiten weiterhin, einen der größeren Flughäfen rund um Kiew unter ihre Kontrolle zu bringen.

Ein brennendes Treibstoffdepot in Wassylkiw, südlich von Kiew | EPA

Ein Treibstoffdepot in Wassylkiw, südlich von Kiew, ging in Flammen auf. Bild: EPA

Schwere Angriffe aus allen Richtungen

Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs konnte das Tempo des russischen Angriffs deutlich gebremst werden. Der Feind habe Nachschubprobleme bei Treibstoff und Munition, teilte die Armeeführung auf Facebook mit. Die russischen Soldaten, bei denen es sich vor allem um junge Rekruten handle, seien erschöpft wegen der vorangegangenen Manöver.

Die russischen Streitkräfte meldeten laut Nachrichtenagentur RIA die "vollständige Blockade" der südukrainischen Städte Cherson und Berdjansk. Zudem hätten russische Truppen demnach die Stadt Henitschesk und einen Flughafen in der Nähe von Cherson eingenommen.

Ausschluss Russlands aus UN-Sicherheitsrat gefordert

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte angesichts des Einmarschs den Rauswurf Russlands aus dem UN-Sicherheitsrat. Die Invasion komme einem Völkermord gleich, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. "Russland hat den Pfad des Bösen beschritten, und die Welt sollte dazu kommen, ihm seinen Sitz im UN-Sicherheitsrat zu entziehen", sagte Selenskyj.

Russland ist eines der fünf ständigen Mitglieder in dem mächtigen UN-Gremium und verfügt bei Resolutionen über ein Vetorecht. Erst am Freitag verhinderte Russland mit seinem Vetorecht eine Resolution zum Ukraine-Krieg. In dem Text wurde Russland aufgefordert, seinen Angriff auf die Ukraine zu stoppen und seine Truppen zurückzuziehen.

Die Karte zeigt die Ukraine mit dem Separatistengebiet in Luhansk und Donezk sowie Teile Russlands und Belarus'.