Ein pro-russischer Separatist patrouilliert in einem zerstörten Gebäude nahe der Region Luhansk. | REUTERS

Spannungen in der Ostukraine Putin sieht "Verschlechterung der Lage"

Stand: 18.02.2022 18:13 Uhr

In der Ostukraine nimmt die Gewalt zwischen pro-russischen Separatisten und ukrainischer Armee zu. Russlands Präsident Putin spricht von einer "Verschlechterung der Lage", die Separatisten rufen Zivilisten zur Flucht auf.

Russlands Präsident Wladimir Putin hat vor einer Zuspitzung der Situation in der Ostukraine gewarnt. "Im Moment sehen wir eine Verschlechterung der Lage", sagte Putin auf einer Pressekonferenz mit dem verbündeten belarusischen Machthaber Alexander Lukaschenko in Moskau.

In der Ostukraine nimmt die Gewalt seit Tagen zu. Wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, dauerten Bombardements in der Nähe des Dorfes Stanyzia-Luhanska auch heute an. Die ukrainische Armee und die pro-russischen Separatisten machten einander für den Vorfall gegenseitig verantwortlich.

Lukaschenko wirft Westen Angstmacherei vor

Putin empfing den belarusischen Machthaber Lukaschenko zu Gesprächen "über die Lage in der Region und den Stand der militärischen Zusammenarbeit, einschließlich der laufenden Militärübungen", wie der Kreml-Chef vorab sagte. Russland und Belarus halten derzeit gemeinsame Militärübungen nahe der belarusisch-ukrainischen Grenze ab, für die Moskau nach US-Angaben rund 30.000 Soldaten in die Ex-Sowjetrepublik verlegt hat und die noch bis Sonntag andauern sollen.

Lukaschenko warf westlichen Staaten vor, sie hätten "das militärisch-politische Spektrum in den Vordergrund gerückt". Darauf müssten Russland und Belarus "reagieren", unter anderem mit Militärübungen und Diplomatie. Er beschuldigte westliche Staaten zudem, "der Welt Angst zu machen, indem sie sagen, 'morgen' werden wir die Ukraine angreifen, einkreisen und zerstören". 

Westliche Staaten und die NATO hatten gestern vor einer russischen Provokation in dem Gebiet gewarnt. Russland könnte auf diese Weise versuchen, einen Vorwand zu schaffen, um einen militärischen Konflikt zu rechtfertigen, sagte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin.

Russland kündigt neues Großmanöver an

Für Samstag kündigte Russland den Beginn eines weiteren Großmanövers mit strategischen Truppen sowie ballistischen Raketen an. Putin und Lukaschenko wollen das Manöver, das der Kreml-Chef als "eines der wichtigsten Ereignisse im Komplex der militärischen Zusammenarbeit" bezeichnete, persönlich beaufsichtigen. Das Manöver sei bereits seit längerem geplant und habe zum Ziel, die Bereitschaft des Militärs sowie die Zuverlässigkeit der nuklearen und konventionellen Waffen zu testen.

Russland hat in den vergangenen Monaten weit mehr als 100.000 Soldaten an der Grenze zur Ukraine zusammengezogen. Die USA haben wiederholt davor gewarnt, dass Russland in den kommenden Tagen ins Nachbarland einmarschieren könnte. Russland weist dies zurück und gibt seinerseits an, sich von der NATO bedroht zu fühlen. Die USA haben russische Ankündigungen von Teil-Abzügen als "falsch" bezeichnet und werfen Moskau stattdessen eine weitere Aufstockung der Streitkräfte an der Grenze vor.

Russland organisiert jedes Jahr großangelegte Übungen seiner Streitkräfte, die Manöver fanden bisher allerdings stets im Herbst statt. US-Experten äußerten sich besorgt über die Verlegung in den Februar und erklärten, Russland wolle die Übung möglicherweise mit einer Invasion in der Ukraine abstimmen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, Russland habe seine ausländischen Partner im Voraus über die Übung informiert. Das Manöver solle den Westen nicht beunruhigen.

Separatisten rufen zur Flucht nach Russland auf

Wegen der Gefahr einer militärischen Eskalation in der Ostukraine riefen die pro-russischen Separatisten Zivilisten zur Flucht in das Nachbarland Russland auf. Zuerst sollten "Frauen, Kinder und ältere Leute" in Sicherheit gebracht werden, sagte der Chef der Donezker Separatisten, Denis Puschilin, in einer Ansprache. "Eine zeitweise Ausreise bewahrt Ihnen und Ihren Verwandten das Leben."

In Absprache mit den russischen Behörden seien im benachbarten Gebiet Rostow im Süden Russlands Unterkünfte bereitgestellt worden. Laut der Agentur Interfax soll Katastrophenschutzminister Alexander Tschuprijan dafür auf Anordnung Putins unverzüglich nach Rostow reisen. Die Luhansker Separatisten kündigten ähnliche Maßnahmen an. 

Im Zentrum der Stadt Donezk kam es zu einer heftigen Explosion. Die russische Nachrichtenagentur Tass berichtete, nach Angaben der örtlichen Behörden sei ein Auto explodiert. Der Agentur Interfax zufolge wurde niemand verletzt. Auch die Nachrichtenagentur der prorussischen Separatisten meldete die Explosion.

Die Separatisten warfen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor, er wolle "in nächster Zeit" eine Offensive starten. Puschilin sagte, dass die Kampftruppen bereit seien, das "Staatsgebiet" gegen einen Angriff der Ukraine zu verteidigen. Die ukrainische Armee wies die Vorwürfe der Separatisten strikt zurück, dass Soldaten Siedlungen beschießen würden. In der Ostukraine kämpfen seit 2014 pro-russische Rebellen gegen die ukrainische Armee. Nach Ansicht des Westens werden die Separatisten von Moskau unterstützt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Februar 2022 um 17:00 Uhr.