Russische Marineschiffe im Schwarzen Meer  | dpa

Militärmanöver auf der Krim Russland kündigt Truppenabzug an

Stand: 22.04.2021 20:17 Uhr

Die Furcht vor einer neuerlichen Eskalation des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine war zwischenzeitlich groß. Nun kündigte Russland überraschend das Ende seines großen Militärmanövers auf der Krim an.

Russland hat den Rückzug seiner in den vergangenen Wochen nahe der ukrainischen Grenze und auf der annektierten Krim-Halbinsel stationierten Truppen angekündigt.

Die Ziele der Militärmanöver seien erreicht, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einem Truppenbesuch auf der Krim. "Die Soldaten haben ihre Fähigkeit, das Land zu verteidigen, bewiesen", zitierte ihn die Nachrichtenagentur RIA. Er habe daher einen Abzug der Einheiten ab Freitag angeordnet, der bis 1. Mai vollzogen sein solle.

Selenskyj begrüßt Verlegung

Nach Angaben von Schoigu sollen auch an der westlichen Grenze Russlands Einheiten abgezogen werden. Um wie viele Soldaten es sich insgesamt handelt, ist allerdings unklar. Gleichzeitig erklärte der russische Verteidigungsminister, dass die Militärtechnik eines Truppenverbands in die Nähe von Woronesch gebracht und dort für ein Manöver im Herbst gelagert werden sollen. Der Ort ist rund 170 Kilometer Luftlinie von der ukrainischen Grenze entfernt.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßte die Verlegung der russischen Soldaten. "Die Verringerung der Truppenzahl an unserer Grenze reduziert entsprechend die Spannung", schrieb Selenskyj auf Twitter.

Die NATO reagierte zunächst zurückhaltend. "Wir haben die Ankündigung des russischen Verteidigungsministers Sergej Schoigu zur Kenntnis genommen", sagte ein Sprecher. Die NATO bleibe wachsam und werde Russlands "ungerechtfertigten Ausbau der Militärpräsenz" in und um die Ukraine weiterhin genau beobachten. Jede Deeskalation Russlands wäre "wichtig und überfällig".

Furcht vor Eskalation

Die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine waren zuletzt gestiegen. Russland hatte in den vergangenen Wochen Zehntausende Soldaten an der ukrainischen Grenze und auf der Krim stationiert und damit Furcht vor einer Eskalation der Spannungen in der Region ausgelöst. Nach russischer Darstellung erfolgte dies als Reaktion auf "bedrohliche" Aktivitäten der NATO.

An den Manövern auf der Krim waren nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums mehr als 60 Schiffe, mehr als 10.000 Soldaten, rund 200 Flugzeuge und 1200 Fahrzeuge beteiligt. Bei einer Landeübung seien mehr als 2000 Fallschirmjäger, 60 Fahrzeuge und Kampfflugzeuge eingesetzt worden.

Am Dienstag hatten mehr als 20 russische Kriegsschiffe im Schwarzen Meer ein Manöver mit der Luftwaffe abgehalten. Am Samstag will Russland bis Ende Oktober Seegebiete im Schwarzen Meer sperren. In der vergangenen Woche übten Schiffe der ukrainischen Flotte gemeinsam mit Rumänien im Schwarzen Meer etwa die Abwehr von Schnellbooten und die Koordination gemeinsamer Handlungen.

Ukraine dringt auf Sanktionen

Der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hatte am Dienstag erklärt, Russland ziehe weitere Truppen an der Grenze zusammen und könne in etwa einer Woche mehr 120.000 Mann beisammen haben. Er rief den Westen zu Sanktionen gegen Moskau auf.

Russland versicherte, es bedrohe niemanden und betonte, es könne seine Truppen auf seinem Gebiet hinschicken, wo es wolle. Zugleich warnte es die Ukraine vor dem Versuch, die Gebiete prorussischer Rebellen im Osten des Landes zu erobern.

Mehr als 13.000 Tote seit 2014

Zuletzt hatten Truppenaufmärsche auf russischer und ukrainischer Seite nahe dem Konfliktgebiet im Donbass international die Befürchtung ausgelöst, dass die Kämpfe dort erneut aufflammen könnten.

In dem seit 2014 andauernden Konflikt zwischen pro-russischen Separatisten und der ukrainischen Armee in der Ostukraine wurden bislang mehr als 13.000 Menschen getötet. Ein 2015 unter Vermittlung Deutschlands und Frankreichs vereinbarter Friedensplan liegt auf Eis. Seit Mitte Februar gibt es wieder verstärkte Kampfhandlungen, die einen ohnehin brüchigen Waffenstillstand weiter untergraben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. April 2021 um 16:00 Uhr.