Britischer Zerstörer "HMS Defender" vor Istanbul | REUTERS

Zwischenfall im Schwarzen Meer Russland warnt britisches Schiff mit Schüssen

Stand: 23.06.2021 14:45 Uhr

Zwischenfall im Schwarzen Meer: Ein britisches Kriegsschiff ist nach Darstellung Russlands nahe der Halbinsel Krim in russische Gewässer eingedrungen. Zur Warnung seien Schüsse abgegeben und Bomben abgeworfen worden, hieß es zur Begründung.

Zwischen den russischen Streitkräften und der britischen Marine ist es im Schwarzen Meer zu einem Zwischenfall gekommen. Ein Schiff der russischen Küstenwache und ein SU-24-Kampfflugzeug hätten Warnschüsse in Richtung eines Zerstörers der britischen Marine abgefeuert, hieß es in einer von russischen Nachrichtenagenturen verbreiteten Mitteilung des Verteidigungsministeriums in Moskau. Das Schiff sei nahe der Halbinsel Krim drei Kilometer weit in russische Hoheitsgewässer gefahren, meldete die Staatsagentur Tass unter Berufung auf das Ministerium.

Das britische Schiff HMS Defender habe "eine Vorwarnung erhalten, dass Waffen eingesetzt werden, wenn die Staatsgrenzen der Russischen Föderation verletzt werden", hieß es weiter. Nach den Warnschüssen habe der Zerstörer die russischen Gewässer wieder verlassen. Es gab dem Vernehmen nach keine Verletzten.

Auf Warnungen zunächst nicht reagiert?

Das Moskauer Ministerium erklärte, die Besatzung der britischen "Defender" habe auf Warnungen zunächst nicht reagiert. Daraufhin habe ein Grenzpatrouillenschiff Warnschüsse abgegeben. Anschließend seien "präventiv" vier Fliegerbomben auf den Kurs der "Defender" abgeworfen worden. Nach dem Vorfall wurde der britische Militärattaché ins russische Verteidigungsministerium einbestellt, hieß es in Moskau.

Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen auf See und im Luftraum, weil Russland seine Luft- und Seegrenzen verletzt sieht. International wird die Annexion der Krim nicht anerkannt, weshalb es sich aus Sicht der Regierung in Kiew um ukrainisches Hoheitsgebiet handelt.

Der Vizechef des Verteidigungsausschusses im russischen Parlament, Juri Schwytkin, sagte, alle Versuche dieser Art, die Grenzen Russland zu verletzen, würden entschieden abgewehrt. Die Schwarzmeerflotte und der für den Grenzschutz zuständige Inlandsgeheimdienst FSB hätten im Einklang mit internationalen Regeln gehandelt. Es sei alles dafür getan worden, keine Aggression zuzulassen. Mit dem Vorgehen gegen das britische Schiff sei eine schlimmere Entwicklung des Szenarios verhindert worden.

Russische Kritik an Übung unter US-Führung

Es wurde vermutet, dass das britische Kriegsschiff an einer internationalen Militärübung unter US-Führung teilnehmen wollte. Zuvor hatte Russland die USA und ihre Verbündeten aufgefordert, dieses Manöver im Schwarzen Meer nicht abzuhalten. "Das Ausmaß und die offensichtlich aggressive Art der militärischen Übungen entsprechen in keiner Weise den tatsächlichen Sicherheitsbedürfnissen in der Schwarzmeer-Region" teilte die russische Botschaft in den USA bei Twitter mit. Dadurch erhöhe sich das Risiko "unbeabsichtigter Vorfälle".

"Sea Breeze" soll am Montag beginnen

Das zweiwöchige Manöver "Sea Breeze" (Seebrise) im Schwarzen Meer soll nach US-Angaben an diesem Montag beginnen. Mit 32 beteiligten Ländern aus sechs Kontinenten, 5000 Soldaten, 32 Schiffen, 40 Flugzeugen sowie 18 Spezialoperationen und Tauchteams sei es die bisher größte derartige Übung. Die Ukraine ist Austragungsort des Manövers. Diese jährlich angesetzten Übungen gibt es bereits seit 1997. Diesmal wird das Manöver vor dem Hintergrund neuer Spannungen zwischen Moskau und dem Westen abgehalten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Juni 2021 um 14:05 Uhr.

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KOMMENTARE

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Treualp1 23.06.2021 • 19:29 Uhr

Souveräne Staaten entscheiden frei, welchem Bündnis oder welcher

Souveräne Staaten entscheiden frei, welchem Bündnis oder welcher Organisation sie sich anschließen wollen oder können? Die Nato hätte nicht in Erwägung ziehen dürfen sich mit der Ukraine zu verbinden. Als Die Russen dann angriffen hätte eine entschiedenere Aktion kommen müssen. Jetzt ein Schifflein ins rote Meer zu schicken vor dem die Russen angst haben sollen ist nicht zielführen. Vor 100 Jahren als Groß-Britannien noch eine Weltmacht war hätte das sicher einen anderen Eindruck gemacht. Doch diese Zeiten sind vorbei Putins Russland ist die Weltmacht Nummer 2 und die Briten ohne Europa spielen in diesem Konzert nur noch die zweite Geige.